Für diese Handschrift sind folgende Beschreibungen vorhanden

  • Beschreibung von Philipp Lenz, Stiftsbibliothek St. Gallen, 2015.
    (Standardbeschreibung, momentan angezeigt)
  • Scherrer Gustav, Verzeichniss der Handschriften der Stiftsbibliothek von St. Gallen, Halle 1875, S. 230-231.
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St. Gallen, Stiftsbibliothek St. Gallen, Cod. Sang. 718
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Beschreibung von Philipp Lenz, Stiftsbibliothek St. Gallen, 2015.

Handschriftentitel: Guilelmus Horborch: Decisiones novae Rotae
Entstehungsort: Italien (?)
Entstehungszeit: 2. Viertel 15. Jh.
Frühere Signatur: D.n. 100.
Beschreibstoff: Papier
Umfang: 431 Seiten
Format: 31 x 22 cm
Seitennummerierung: Zeitgenössische Doppelblatt- und Lagenzählung unten rechts, ganz oder teilweise sichtbar: a1 (p. 19), a2 (p. 21), a3 (p. 23), r5 (p. 347); zeitgenössische Lagenzählung unten Mitte: 7mus (359), 8vus (p. 383) und Blattzählung oben rechts: a7 (p. 359), b7 (p. 361), c7 (p. 363), m7 (p. 381), a8 (p. 383), p8 (p. 411). Paginierung I.v.A. 1–40, 42–187, 187a, 188–431.
Lagenstruktur:
  • Buchblock und Spiegelblätter 217 Blätter. Papier, p. 10 und 11 mit Spuren roten Wachses, manchmal schmutzig, besonders p. 19 und p. 417, p. 3959 oben beschädigt durch Feuchtigkeit. Wasserzeichen (mindestens): P. 118, 415431 2 Monde vom Typ Briquet 5202, 52075209, 5212 (beide identisch in Cod. Sang. 699, 700 und 701, davon 1 identisch in Cod. Sang. 698), p. 19358 5 Ochsenköpfe vom Typ Piccard, Bd. 2/1, Abt. 5, Nr. 1–41, 501–641, davon 1 identisch mit und 1 ähnlich wie Piccard-online 62093 (1434), 1 Horn vom Typ Piccard, Bd. 7, Abt. 2 oder 3, p. 359414 1 Hirsch vom Typ Piccard, Bd. 14/1, Abt. 4.
  • Lagen: 18 VVS358 + VI382 + VIII414 + (IV+1)431 +1; das erste Blatt (vor p. 1) als vorderes Spiegelblatt auf den Vorderdeckel geklebt, das letzte Blatt (nach p. 430) ist ein Einzelblatt und als hinteres Spiegelblatt auf den Hinterdeckel geklebt. Reklamanten am Lagenende unten rechts, vertikal geschrieben p. 3899, horizontal geschrieben p. 139, 179358.
Seiteneinrichtung: Schriftraum einspaltig, 20 x 13, 40–45 Zeilen, begrenzt durch Blind- und Metallstiftlinierung, mindestens p. 19358 Zeilen ebenfalls in Blind- und Metallstiftlinierung, auf den Vertikalen oben und unten Zirkellöcher sichtbar.
Schrift und Hände:
  • 3 Hände des 15. Jh., in brauner Tinte:
  • 1. Hand p. 19 119 schleifenlose Bastarda, möglicherweise italienisch beeinflusst, aber mit Gebrauch von „deutschem“ w, z.B. p. 19 Willermus und p. 38 conswetudine;
  • 2. Hand p. 120358 deutsche schleifenlose Bastarda;
  • 3. Hand p. 359412 Semigotica.
Buchschmuck: Ausstattung: p. 19 zu Beginn des Prologs eine ca. 15-zeilige Initiale in Rot, p. 24 zu Beginn der Kapitel (decisiones) 2-zeilige Initiale in Rot sowie Zählung der Kapitel in römischen Ziffern, p. 24358 zu Beginn der Kapitel (decisiones) ein 2-zeiliges Lemma, bald in Rotunda, bald in Textualis, sowie Zählung der Kapitel in römischen Ziffern, p. 33, 34, 40, 116 mit federgezeichneten Männergesichtern geschmückt, p. 101113, 121138, 140358 Lemmata ausgespart und nicht geschrieben, p. 359414 nur vereinzelte Initialen (p. 380, 383, 388, 406).
Spätere Ergänzungen: Marginalien von 3 Händen:
1. Marginalienhand, evt. identisch mit der 2. Hand in Cod. Sang. 698 (siehe dort), welche auch Partien in Cod. Sang. 699–701 (siehe dort) schreibt, bringt p. 118 Vermerk und p. 358 den Verweis vide in penultimo folio cum hoc signo an;
2. Marginalienhand, vielleicht Johannes Bischoff, schreibt p. 148, 224 Inhaltsvermerke;
3. Marginalienhand schreibt p. 361412 viele längere Inhaltsvermerke.
Einband: Einband wohl aus der Mitte oder der 2. Hälfte des 15. Jh. Leder auf Pappdeckel, Lederbezug beschädigt. 4 Schleifenverschlüsse, erhalten sind Reste von Lederbändern, je 2 nahe am Vorder -, je 1 nahe am Ober - und Unterschnitt. Altes Rückenschild teilweise sichtbar: Determinatio// … Heftung auf 3 erhabene, gespaltene Lederbünde. Einfach umwickelte Kapitale. Die Lederbünde gehen auf die Aussenseiten der Pappdeckel, mit welchen sie durch drei Fadenstiche verbunden sind. Die Pappdeckel bestehen aus zusammengeklebten Papierblättern. Pergamentene Falzverstärkungen in den Lagenmitten und an den Lagenaussenseiten. Identischer Einband wie Cod. Sang. 698–701.
Inhaltsangabe:
  • (Vorderes Spiegelblatt) Aufgeklebter Zettel [s. u.], sonst leer, (118) leer.
  • 19412 Guilelmus Horborch: Decisiones novae Rotae
    • (19) Prolog in der 2. Fassung. In nomine domini amen. Anno a natiuitate eiusdem domini mccclxxxii [!] die Mercurii tricesima mensis Ianuarii, pontificatus domini Gregorii Pape XI. anno sexto Ego Willermus Herbech conclusiones siue determinationes infrascriptas quorundem dubiorum aliorum postea superuenientium melius sentientium etc.
    • (19358) Text mit chronologisch geordneten Kapiteln bzw. decisiones.
      • (19) Prima est quod attemperata applicatione pendente a diffinitiva post ipsius desertionem non veniunt …–…
      • (351358) Queratur quanti temporis spacio …–… nunc restat respondere ad ar[gumenta] gl[ossae] quia si textus c. cum in tua / / bricht am Seitenende im letzten Viertel dieses letzten Kapitels [Druck f. 115va] ab.
      Inhalt: (1964) c. 1–41 [Druck c. 1–35], (6471) ohne Kapitelzählung [Druck c. 457–459], (71351) c. 42–469 [Druck c. 36–456], (351358) ohne Kapitelzählung [Druck c. 460 = letztes Kapitel]. Bei der Kopie der Lage V119 wurden nach korrekter Abschrift der p. 100115 die letzten beiden Blätter vertauscht; die Textabfolge lautet deshalb p. 115, 118119, 116117, 120. Der Druck enthält gegenüber der vorliegenden Hs. zahlreiche Zusätze.
    • (359412) Ende eines Texts der Decisiones novae Rotae des Guilelmus Horborch mit einer vom Druck abweichenden, anscheinend nicht chronologischen, sondern thematischen Ordnung, mit den Überschriften
      • (363) >De opcione prebendarum<
      • (364) >De impetrantibus<
      • (390) >De executionibus gratiarum<
      • (401) >De prescriptionibus<
      • (403) >De consuetudinibus< jeweils ohne Kapitelzählung.
    • (359406) Fragmentarischer Beginn / / notatur per Inno. in c. cum ab ecclesiarum de offi. or. [X 1.31.1] … darin z.B.
      • (360363) [Druck c. 445]
      • (402403) [Druck c. 416],
      • (406412) es folgt das Ende [Druck c. 460]. Queritur quanti temporis spacio …–… ita in simili notat Hostiensis et Compostellanus de elec. transmissa [X 1.6.15] et eodem ti. c. quod sicud [! X 1.6.28]. >Finis etc. Explicit expliciunt sprach dy kattze weder den hunt, brotworste sint dyr ungesunt< .
    Textgeschichte: Verglichen mit dem Druck: Decisiones rote Noue et Antique cum additionibus, Lyon: Claudius Davost, 1509.
Entstehung der Handschrift: Angesichts der Schrift (1. Hand), einiger Wasserzeichen (s. o. Monde und Hirsch) und der äusserlichen Parallelen (Wasserzeichen, Einband, evt. 1. Marginalienhand) mit Cod. Sang. 698–701 im 2. Viertel des 15. Jh. möglicherweise in Italien geschrieben
Provenienz der Handschrift: und wahrscheinlich wie diese im Besitz des späteren St. Galler Abts Kaspar von Breitenlandenberg (1442–1463), der 1439–1442 in Bologna bei Johannes de Anania studierte und dort 1442 das Doktorat im Kirchenrecht erwarb.
Erwerb der Handschrift: Wohl nach dem Tod des Abts in die Klosterbibliothek gelangt, dort spätestens seit 1553–1564, wegen Stempel D.B. (p. 412). Auf dem vorderen Spiegelblatt klebt ein kleiner Papierzettel mit Inhaltsangabe von Jodocus Metzler: Collectio determinationum Rotae Romanae per Wilhelmum Herbechium decretorum doctorem. NB I. Alte Signatur Pius Kolb p. 1: D.n. 100.
Bibliographie:
  • Briquet, Charles Moïse, Les Filigranes. Dictionnaire historique des marques du papier dès leur apparition vers 1282 jusqu’en 1600, 4 Bde., Paris 1907.
  • Piccard, Gerhard, Die Wasserzeichenkartei Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 340.
  • http://www.piccard-online.de.
  • Philipp Lenz, Stefania Ortelli, Die Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen, Bd. 3: Abt. V. Codices 670–749. Iuridica. Kanonisches, römisches und germanisches Recht, Wiesbaden 2014, S. 210–212 (weitere Quellen- und Literaturangaben).