In der Chronik finden sich Berichte und Notizen aus den verschiedensten Bereichen der zeitgenössischen Konventsgeschichte: Die Anlagehand der
Angela Varnbühler setzt (ex post) ein mit ihrer Wahl zur Priorin 1476, und fährt fort mit einem Verzeichnis der Konventualinnen sowie mit Berichten von der Durchführung der ersten Schritte zur Reformierung des Klosters. Die weiteren Einträge, in chronologischer Abfolge, betreffen die verschiedensten Begebenheiten aus dem alltäglichen Konventsleben: Eintritte von Novizinnen und deren spätere Profess; Todesnachrichten (von Konventualinnen, Angehörigen und Freunden); Stiftungen (von Jahrzeiten und Zinsen) und Schenkungen; Bücherherstellung im Scriptorium; Ökonomie des Klosters (Jahresrechnungen der Schaffnerin, Verwaltung, Landerwerb (Äcker, Wald, Rebberge)); Aus- und Umbau sowie künstlerische Ausstattung der Klostergebäude; zeitgenössische Geschehnisse aus der Kloster- und Ordensgeschichte - sogar das Ereignis der Sonnenfinsternis im Jahre 1485 hat mit einem Eintrag der Priorin Eingang in die Chronik gefunden (f.
45r).
P.
Pius Kolb, St. Galler Stiftsbibliothekar im 18. Jh., nannte die Hs. “Hausbuch der Angela Varnbühler”;
Lehmann sprach von der ”Hauschronik“, seit
Vogler heisst sie nur noch “Chronik”;
Rüther/
Schiewer bezeichnen sie als “Reformchronik”. In der Hs. selbst findet sich kein dem heute gebräuchlichen Titel “Chronik” entsprechender Eintrag von zeitgenössischer Hand; auch in den Bücherverzeichnissen von 1484 und 1507 ist die Hs. nicht explizit genannt. Dasselbe gilt für das sog. “Schwesternbuch”.
Zur Abfassungszeit der Chronik vgl. ibid. f.
[5]v: in einem eigenhändigen Eintrag berichtet A'V' u. a. von der Verwundung der Subpriorin
Ursula Eberli in den Tumulten anlässlich des Beginns der gemaind im Jahr 1459; jedoch habe
Ursula Eberli danach noch xxij Jahre gelebt; daraus ergibt sich als Todesjahr für U'E' 1481; d. h. die Chronik kann nicht vor 1481 angelegt worden sein, daher Beginn der Eintragungen vermutlich 1481/82: Vorne ist ein Binio (f.
[I]-
4) eingeheftet, leer bis auf f.
[I]r, mit der Jahresrechnung der Schaffnerin zum Jahr 1481. Die ersten "gebundenen" Einträge erfolgten demnach ex post: Auf die autobiographischen Einträge der A'V' und das Konventsverzeichnis (f.
6r-
v) folgen f.
7r-
v Einträge zu Land- und Walderwerb (datiert ins Jahr 1476), sodann die Jahresrechnung der Schaffnerin zum Jahr 1477 sowie Eintritte von Novizinnen im selben Jahr. Die WZ (s. u.) lassen keine exakte Datierung, nur eine ungefähre chronologische Einordnung (in die 1480er Jahre) zu.