Frauenfeld, Kantonsbibliothek Thurgau, Y 98
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Beschreibung von Marianne Luginbühl und Maria Solovey, Kantonsbibliothek Thurgau, Frauenfeld, 2017.

Handschriftentitel: Geschichte des Bistums Chur
Entstehungsort: Kartause Ittingen
Entstehungszeit: zwischen 1614 bis 1638
Frühere Signatur: M 41s
Beschreibstoff: Papier
Umfang: 42 Bll.
Format: 315 x 210 mm
Seitennummerierung: neuere Foliierung I.1.35-41; Foliierung aus dem 20. Jh. 2-34; eingebundene Urkunden mit älterer, beschädigter Foliierung 3-5 (weist darauf hin, dass Bl. 37 und 38 wohl vor 35 und 36 gehören)
Seiteneinrichtung: 255 x 155 mm, einspaltig, 45-48 Zeilen (Urkunden: 22-29 Zeilen)
Buchschmuck: 1r Blaulavierte Federzeichnung mit dem heiligen Luzius und dem heiligen Benedikt, dazwischen Wappen mit aufrecht stehendem Steinbock und darüber Bischofshut, Bischofsstab und ein Schwert; 32r-33v Wappen ausgefüllt, sonst durchgängig nicht ausgeführt.
Spätere Ergänzungen: Vier nachträglich eingefügte Blätter mit Abschrift von vier lateinischen Urkunden sowie 32 Regesten (zum Inhalt siehe unten) von anderer Hand
Einband: Papier über Pappe, blaugrün gesprenkelt, 19. Jh.
Inhaltsangabe:
  • Ir-v leer
  • 1r-34v Heinrich Murer: Chronik des Bistums Chur
    • (1r) Episcopatus Curiensis Rhaetorum. Geschicht Buoch aller Bischoffen des loblichen Uralten Bistumbs und hoher Gestiffts zu Chur Alpestris Rhaetiae. Mit treuwer kurtzer anzeigung der furnembsten mannhafftesten sachen: die sich zu eines jeden Bischoffs Regierung verlauffen hatt.
      Darunter die oben erwähnte Federzeichnung der Klosterheiligen.
    • (1v-5v) Die Chronik beginnt mit einer längeren Einführung und berichtet von der Teilung der Welt und Italiens vor Christi Geburt während der Herrschaft des fünften römischen Königs Lucius Tarquinius Priscus. Murer geht weiter auf die Provinz Raetia (nördliches Alpenvorland um den Schwarzwald, die Donau und Inn - darin auch Chur) ein und gibt dem Leser damit eine Vorgeschichte bis zur Entstehung des Bistums Chur.
    • (5v-34r) Als erster Bischof des Bistums Chur wird Asinio (451) aufgeführt und ihm folgen chronologisch 75 weitere Bischöfe (nicht alle ausführlich beschrieben). Als letztes wird Bischof Johannes IV. (1418-1440) erwähnt.
    • (34v) leer
  • 35r-38v Urkunden und Annalistische Notizen
    • (35r) Kaiser Otto I. schenkt Viktor, dem Erzpriester der Kirche Chur, erbloses Gut im Vintschgau und im Engadin (Marlia, 967 Juli 8.).
      Bibl.: Bündner Urkundenbuch, hrsg. durch die Historisch-Antiquarische Gesellschaft von Graubünden; bearb. von Elisabeth Meyer-Marthaler und Franz Perret. Chur 1955, Bd. 1, Nr. 134, S. 108-109.
    • (35r-36r) Kaiser Otto I. erneuert aufgrund eines in seiner Gegenwart erbrachten Inquisitionsbeweises die Schenkung des Königshofes Zizers an die bischöfliche Kirche in Chur (Konstanz, 972 August 18.).
      Bibl.: Bündner Urkundenbuch Nr. 138b, S. 112-115.
    • (36r) König Ludwig der Deutsche bestätigt der Kirche Chur die Verfügung Ludwigs des Frommen über die Restitution des ihr widerrechtlich entzogenen Besitzes und über die geistlichen Rechte des Bischofs (Trebur, 849 Juni 12.).
      Bibl.: Bündner Urkundenbuch Nr. 67, S. 57-59.
    • (36r-36v) Kaiser Otto I. schenkt der bischöflichen Kirche zu Chur die halbe Stadt mit allem Zubehör, die Kirchen S. Laurentius, Hilarius und Martin daselbst, die Kirche St. Carpophoros zu Trimmis, sowie Zoll und Münze in Chur (Fritzlar, 958 Januar 16.).
      Bibl.: Bündner Urkundenbuch Nr. 115, S. 95-96.
    • (37r-38v) Annalistische Notizen (v.a. Urkundenregesten)
  • 39r-41v leer
Entstehung der Handschrift: Darüber, welche Quellen Heinrich Murer für die Chronik des Bistums Chur verwendet hat, ist nichts bekannt.
Provenienz der Handschrift: Die Handschrift Murers mit der Chronik des Bistums Chur war nach ihrer Fertigstellung wie die anderen Chroniken für das „Theatrum Ecclesiasticum Helvetiorum“ vorgesehen.
Erwerb der Handschrift: Vermutlich ist die Handschrift erst nach der Aufhebung der Thurgauischen Klöster im Jahre 1848 in die Kantonsbibliothek Thurgau gelangt, wo sie wahrscheinlich auch gebunden wurde und die alte Signatur M 41s erhielt.
Bibliographie:
  • Haller, Gottlieb Emanuel von: Gottlieb Emanuel von Hallers ... Bibliothek der Schweizer-Geschichte und aller Theile, so dahin Bezug haben. Bern, 1785-1788, S. 284-5.
  • Meyer von Knonau, Gerold: Heinrich Murer. In: ADB 23 (1886), S. 60.
  • Meier, Gabriel: Der Karthäuser Heinrich Murer und seine Schriften. In: Der Geschichtsfreund. Bd. 55, Stans 1900, S. 3-38.
  • Clavadetscher Otto P., Kundert Werner: Das Bistum Chur. In: Schweizerische Kardinäle, das apostolische Gesandtschaftswesen in der Schweiz, Erzbistümer und Bistümer I. Bern 1972 (Helvetia Sacra, Abt. I, Bd. 1), S. 449-619.
  • Guisolan, Michel: Heinrich Murer (1588-1638). Kartäusermönch und Historiker. In: Thurgauer Köpfe 1, hrsg. v. André Salathé, Thurgauer Beiträge zur Geschichte, Bd. 132 (1995), Frauenfeld 1996, S. 233-240.