Frauenfeld, Kantonsbibliothek Thurgau, Y 106
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Beschreibung von Marianne Luginbühl, Kantonsbibliothek Thurgau, Frauenfeld 2011.

Handschriftentitel: Heinrich Murer: Episcopatus Constantiensis
Entstehungsort: Kartause Ittingen
Entstehungszeit: nach 1629
Beschreibstoff: Papier
Umfang: 98 Bll.
Format: 320 x 208 mm
Lagenstruktur: V 10 + V 20 + V 30 + VI 42 + III 48 + VI 60 + II 64 + VI 76 + I 78 + V 88 + III 94 + II 98
Zustand: Die Handschrift zeigt deutlich einen vorläufigen Charakter: Sie enthält zahlreiche Zusätze von der Hand Murers, die nachträglich in die Handschrift eingeklebt wurden. Ausserdem fehlen im ersten Teil die Familienwappen der einzelnen Bischöfe. Der Raum dafür ist jedoch ausgespart.
Seiteneinrichtung: 268 x 170 mm, einspaltig, 39-55 Zeilen
Spätere Ergänzungen: In die Handschrift nachträglich eingeklebt, finden sich zahlreiche Ergänzungen und Korrekturen von der Hand Heinrich Murers.
Einband: Papier über Pappe, blaugrün gesprenkelt, 19. Jh.
Inhaltsangabe:
  • Bl. 1r Der angegebene Titel: Vrsprung Auff vnnd Zunemmen des vhralten Bistumbs Constanz: Sampt was sich beÿ aines ieden Bischoffs Regierung zeÿten zugetragen Gezogen furnemlich auss den Chronickhen Hermanni Contracti Graffen zu Veringen. Wilhelmi Werneri Grauen zu Zimbern. Jacobi Manlij doctor von Bregenz. Joannis Stumpfij Predicanten. Caspari Bruschij poeten. R.P. Christophori Hartmanni probsten zu Sant Gerolden. R.D. Jacobi Rrassler I.V.D. thumbherren zu Constantz. D. Jacobi Merckh Pfarrherren zu Sigmaringen. Vnd einer Alten geschribnen Constanzer Chroneckh.
    Darunter: Blau kolorierte Federzeichnungen mit den drei Schutzpatronen des Bistums Konstanz, dem heiligen Konrad, der Gottesmutter Maria und dem heiligen Pelagius, in der Mitte das Wappen des Bistums.
  • Bl. 1v-2r Geschichte und geographische Lage der Stadt Windisch. Ihre Beziehung zum Christentum.
  • Bl. 2r-2v Geschichte des heiligen Beat, des ersten Schweizer Missionars. Die erste Christenverfolgung in der Schweiz. Die ersten Bischöfe von Windisch.
  • Bl. 2v-3r Die Bischöfe von Windisch von Paternus bis Maximus.
  • Bl. 3r-5r Frühe Geschichte der Stadt Konstanz. Und wie das Bistum dahin gelangt ist.
  • Bl. 5r-49r Die Bischöfe von Konstanz von Maximus bis Johannes VII. Zwischen Bl. 47v und 49r Trauergedicht (Bl. 48r-v) auf den Hinschied von Bischof Sixtus Werner von anderer Hand.
  • Bl. 49v und Bl. 50r und v leer.
  • Bl. 51r-98v Zweite Chronik des Bistums Konstanz, wohl ein Entwurf Murers zur ersten Chronik, mit anderer Tinte geschrieben. Die Familienwappen der Bischöfe sind im Unterschied zur ersten Chronik in die Wappenschilde eingezeichnet, aber unkoloriert.
  • Bl. 55v Holzschnitt mit der Vedute der Stadt Konstanz nachträglich eingeklebt.
Entstehung der Handschrift:
    Bemerkungen zu Autor und Werk:
  • Der Verfasser der Handschrift, Heinrich Murer, eigentlich Johann Heinrich, wurde am 2. März 1588 in Baden (Kanton Aargau) geboren. Er stammte aus einer Badener Familie. Seine Mutter, Salome Bodmer von Baden, heiratete in zweiter Ehe 1592 den Ritter, Alt-Schultheissen und Bannerherrn Ludwig Pfyffer von Altishofen aus Luzern, der indessen schon 1594 starb. Murer wuchs in Luzern auf. Er wird überall als „civis Lucernensis“ erwähnt und bezeichnet sich selbst in seinen Büchern so, ist aber im Luzerner Bürgerbuch nicht erwähnt. Murer besuchte zuerst die Jesuitenschule in Pruntrut, wohl um die französische Sprache zu erlernen. Nach Abschluss der Schule studierte er Philosophie in Paris. Hier kam es offenbar auch zu ersten Kontakten mit dem Kartäuserorden. Die Ermordung des französischen Königs Heinrich IV. veranlasste ihn zur Rückkehr in die Schweiz. 1611, noch in Luzern, begann er, ein Verzeichnis der Schweizer Heiligen anzulegen. 1614 trat er in den Kartäuserkonvent Ittingen ein, wo er am 28. Februar 1638 starb.
  • Die Chronik des Bistums Konstanz ist nur eine von rund zwanzig anderen Chroniken von Klöstern, Abteien und Bistümern, die Murer während seiner Ittinger Zeit (1614-1638) verfasst hat, und die in der Kantonsbibliothek Thurgau aufbewahrt werden. Sie waren alle gedacht als Vorarbeiten zu einem umfassenden Werk, das eine Geschichte und Beschreibung aller Bistümer, Stifte und Klöster enthalten und den Namen „Theatrum Ecclesiasticum Helvetiorum“ („geistlicher Schauplatz Helvetiens“) tragen sollte. Murers früher Tod im Jahre 1638 machte dieses Vorhaben zunichte. Alle Chroniken sind ähnlich aufgebaut: Sie zeigen auf dem Titelblatt die Schutzheiligen der betreffenden Klöster, zum Teil mit deren Attributen. Ein Faltblatt im Inneren der Handschrift enthält eine Ansicht der verschiedenen Gebäulichkeiten der jeweiligen Klöster. Dazwischen steht in Murers kleiner, zierlicher Schrift die Legende zu den einzelnen Bauten.
Provenienz der Handschrift: Die Handschriften, die für das „Theatrum Ecclesiasticum Helvetiorum“, Murers Chronik aller Klöster, Bistümer und Stifte der Schweiz, vorgesehen waren, sind alle in der Kartause Ittingen entstanden. Dies gilt auch für die vorliegende Handschrift Murers mit der Chronik des Bistums Konstanz. Vermutlich ist sie erst nach der Aufhebung der thurgauischen Klöster im Jahre 1848ff. in die Kantonsbibliothek Thurgau gelangt, wo sie wahrscheinlich auch gebunden wurde.
Bibliographie:
  • Meyer von Knonau, Gerold: Heinrich Murer, in: ADB 23 (1886), S. 60.
  • Meier, Gabriel: Der Karthäuser Heinrich Murer und seine Schriften / Gabriel Meier. Stans 1900 (SA: Der Geschichtsfreund; Bd. 55, S. 3).
  • Schaltegger, Friedrich: Konstanz (Bistum), in: HBLS Bd. IV, Neuenburg 1927, S. 534f.