Frauenfeld, Kantonsbibliothek Thurgau, Y 107
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Beschreibung von Marianne Luginbühl und Maria Solovey, Kantonsbibliothek Thurgau, Frauenfeld, 2017.

Handschriftentitel: Geschichte der Konstanzer Domkirche, der Kollegiatskirchen des Bistums, der Stadt Konstanz und der Reichenau
Entstehungsort: Kartause Ittingen
Entstehungszeit: zwischen 1614 und 1638
Frühere Signatur: M 41k
Beschreibstoff: Papier
Umfang: 126 Bll.
Format: 310 x 205 mm
Seiteneinrichtung: Schriftraum 265 x 170 mm, einspaltig, 36-50 Zeilen
Schrift und Hände: Vier verschiedene Hände: 1r-6r Hand Heinrich Murers; 7r-70v zweite Hand; 71r-91v, 95r-124r dritte Hand; 93r-94v vierte Hand
Einband: Papier über Pappe, grün gesprenkelt, 19. Jh.
Hauptsprache: Deutsch und Latein
Inhaltsangabe:
  • Ir-v leer
  • 1r-6v Heinrich Murer Von der Thombkirchen unser Lieben Frauwen zu Constantz, wie die erbauwen; und dem Gottsdienst unnd Heiligthumb so da zu sehen, auch grosen Ansehen.
    Die Geschichte der Konstanzer Domkirche (Münster) hängt auch bei Murer eng mit jener des Bistums zusammen. Diesbezüglich beginnt die Chronik mit dem Jahr 294 als unter Kaiser Konstantin die Stadt errichtet wurde. Anschliessend geht Heirnich Murer auf einzelne Bauphasen der Domkirche und politische Ereignisse bis ins Jahr 1584 ein.
    • (4v-6v) Aufzählung der Kirchenschätze und des -schmucks der Sakristei
  • 7r-16v Kollegiatskirchen des Bistums Konstanz
    Einzelne Erläuterungen zur Geschichte der dem Bistum Konstanz angegliederten Kollegiatskirchen, unter anderem Felix und Regula in Zürich (siehe auch Y 116), St. Peter in Embrach (siehe auch Y 118), Mauritius in Zofingen und Heiligenberg in Winterthur.
  • 17r-18v leer
  • 19r-70v Jakob Rassler De situ et splendore civitatis Constantiensis.
    Die heute noch einzig erhaltene Abschrift des Textes von Jakob Rassler (1568-1617) wird von Randnotizen Heinrich Murers begleitet. Murer hat die Beschreibung des Kirchenschatzes in seinem ersten Teil der Handschrift (4v-6v) fast wörtlich von Rassler 31r-32v übernommen.
    • (61r-63r) Konkordat zwischen Kaiser Maximilian I. und Bischof Hugo vom 3.8.1498 (dt.) und weitere Verträge von 1508 bis 1607.
    • (67v-68v) Gedicht von Andreas Marius (O vanas hominum spes fera ludere … ).
  • 71r-74v Cathalogus sanctorum et sanctarum indigenarum et advenarum Episcopatus Constantiensis; id est eorum qui in episcopatu nati, aut aliunde venientes in eodem martirio affecti, aut morte consumati, vel quorum corpora, aut praecipua aliqua pars reliquiarum in Episcopatum Constantiensem translata sunt.
    Folgende Heiligenfeste weichen von Grotefend ab: Findanus (17.2), Trudpert (27.4), Abt Bertini (5.9), Laudi (22.9) und Ida (3.10). Einzelne Heilige von späterer Hand durchgestrichen und die Heiligenfeste des Monats Dezember fehlen gänzlich. Anschliessend weitere Heilige und Selige.
  • 75r-89v De beatissima virgine Dei genitrice Maria.
    Die Geschichte von Maria als Patronin der Diözese Konstanz, in 38 Kapitel unterteilt, aber unvollendet.
  • 90r-v De Augia divite sive maiore.
    Liste der ersten Äbte des Klosters Reichenau.
  • 91r-v De monasterio Oeningen.
    Liste der Vorsteher des Klosters Öhningen.
  • 92r-v leer
  • 93r-94v Catalogus sanctorum indigenarum et adventarum Dioecesis Vindonensis & Constantiensis.
    Liste der Heiligen der Diözese Vindonissa und Konstanz.
  • 95r-118v Archidiaconatus, diaconatus, parochiae, ecclesiae et capellae Episcopatus Constantiensis.
    Liste der Diakone und Priester der Kirchen des Bistums Konstanz.
  • 119r-124r Ecclesiae celebres Episcopatus Constantiensis. ad quas frequentes populi peregrinationes fiunt etc. Beschreibungen der Pilgerstätten im Bistum Konstanz und der Heiligen- und Reliquienverehrung an diesen Orten.
  • 124v-125v leer
Entstehung der Handschrift:
  • Die Beigaben (7r-124r) liess man vermutlich noch in Ittingen zusammenbinden.
  • Als Quelle für die Geschichte der Domkirche und der Stadt Konstanz verwendete Murer nach eigenen Angaben (1r) die Chronik des Melchior Zündelin (Bürgermeister von Konstanz, gest. 1557). Über die Herkunft der anderen Auszüge ist nichts bekannt.
  • Verglichen mit andern Chroniken Murers macht diejenige der Domkirche Konstanz und der Ergänzungen zum Bistum Konstanz (Y 106) einen vorläufigen und provisorischen Eindruck. Es fehlen die sonst bei Murer übliche Auflistung der Kirchenvorsteher, sowie die Zeichnung der Kirchenpatronen, als auch die Ausführung der Wappen (für letzteres wurde Platz freigelassen). Ausserdem fehlt eine Vedute der Kirche.
Provenienz der Handschrift: Die Handschrift Murers mit der Chronik der Konstanzer Domkirche und der anderen Schriften war nach ihrer Fertigstellung wie die anderen Chroniken für das „Theatrum Ecclesiasticum Helvetiorum“ vorgesehen.
Erwerb der Handschrift: Vermutlich ist die Handschrift erst nach der Aufhebung der Thurgauischen Klöster im Jahre 1848 in die Kantonsbibliothek Thurgau gelangt, wo sie wahrscheinlich auch gebunden wurde und die alte Signatur M 41k erhielt.
Bibliographie:
  • Meyer von Knonau, Gerold: Heinrich Murer. In: ADB 23 (1886), S. 60.
  • Meier, Gabriel: Der Karthäuser Heinrich Murer und seine Schriften. Stans 1900 (SA: Der Geschichtsfreund, Bd. 55), S. 3-38.
  • Bischof, Franz Xaver u. a.: Das Bistum Konstanz, das Erzbistum Mainz, das Bistum St. Gallen. Helvetia Sacra, Abt. I, Teil 1 und Teil 2, Basel/Frankfurt am Main 1993, (Teil 2 bis S. 956).
  • Guisolan, Michel: Heinrich Murer (1588-1638). Kartäusermönch und Historiker. In: Thurgauer Köpfe 1, hrsg. v. André Salathé, Thurgauer Beiträge zur Geschichte, Bd. 132 (1995), Frauenfeld 1996, S. 233-240.
  • Göpfert, Dieter: Das Bistum Konstanz um 600 bis 1821. Geschichte und Bedeutung. Markdorf 2005.
  • Laule, Ulrike (Hg.): Das Konstanzer Münster unserer Lieben Frau. 1000 Jahre Kathedrale - 200 Jahre Pfarrkirche, Regensburg 2013.