Frauenfeld, Kantonsbibliothek Thurgau, Y 110
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Beschreibung von Marianne Luginbühl und Heinz Bothien, Kantonsbibliothek Thurgau, Frauenfeld, 2009.

Handschriftentitel: Heinrich Murer: S[anc]tae Clarae Virginu[m] Monast[erium]: in Paradiso.
Entstehungsort: Kartause Ittingen
Entstehungszeit: zwischen 1614 und 1638
Beschreibstoff: Papier
Umfang: 15 Bll.
Format: 317 x 204 mm
Seiteneinrichtung: 266 x 168 mm, einspaltig, 41-42 Zeilen.
Einband: Papier über Pappe, blaugrün gesprenkelt, 19. Jh.
Inhaltsangabe:
  • Bl. 1r: Der angegebene Titel: Sant Claren Jungkfrauwen Closter genampt im Paradis ob Schaffhausen Am Rhin: name sein Anfang Anno Domini 992.
  • Bl. 1-3: Chronik des Klosters Paradies von seinen Anfängen 992 bis 1250 von Heinrich Murer
    • (Bl. 1r-1v:) Aufstand der Bauern in Schwaben gegen ihre adeligen Herren; Schlacht zwischen den beiden Parteien; Stiftung einer Kapelle auf dem Schlachtfeld an der Stelle des späteren Klosters Paradies im Jahre 992.
    • (Bl. 1v-2r:) Gründung einer Gemeinschaft geistlicher Frauen in einem Schwesternhaus in St. Jakob, Vorstadt von Konstanz, auch „im Paradis“ genannt, im Jahre 1186 und Bau des Klosters Paradies an der jetzigen Stelle im Jahre 1214 oder 1222.
    • (Bl. 2r:) Annahme der Regel der heiligen Klara durch die Schwestern von Paradies. Klara wird zugleich Schutzheilige des Klosters.
    • (Bl. 2r-3v:) Brief aus dem Jahre 1250 von Graf Hartmann dem Älteren von Kyburg an die Frauen des Klosters von Paradies bei Schwarzach (Schaffhausen/Thurgau), in dem er die Schenkung aller seiner dortigen Güter an dasselbe bestätigt.
  • Bl. 4r-6v: Kaiser Friedrich III. bestätigt der Äbtissin und dem Konvent des Klosters Paradies bei Schaffhausen alle Rechte und Privilegien, auch die hohe und niedere Gerichtsbarkeit […] (Kopie einer Urkunde, gegeben in Augsburg, am 13. September 1474, Regg. F.III.H.6 - 122). Geschrieben von einer zweiten Hand.
  • Bl. 7r: Kaiser Karl V. wiederholt und bekräftigt diese Rechte und Privilegien ans Kloster Paradies (Kopie einer Urkunde, gegeben in Worms, am 24. Mai 1521). Geschrieben von derselben Hand wie Bl. 4r-6v.
  • Bl. 7v-8r: Kaiser Rudolph II. wiederholt und bekräftigt obige Rechte und Privilegien (Kopie einer Urkunde, gegeben in Regensburg, am 13. August 1594). Geschrieben von derselben Hand wie Bl. 4r-6v.
  • Bl. 8v: leer.
  • Bl. 9r: leer.
  • Bl. 9v: Bezeichnung der vorangehenden Blätter als Kopie mehrerer Urkunden: „Copia Paradiss beÿ Schaffhausen 12 fol.“
  • Bl. 10r: Äbtissin und Konvent von Paradies befreien einige Bürger der Stadt Schaffhausen von einer Bürgschaft über 20 Gulden (Urkunde, gegeben am 26. Dezember 1394). Geschrieben von einer dritten Hand.
  • Bl. 10v-11r: Äbtissin und Konvent von Paradies bestätigen das Anrecht von Anna Vilgriss, Frau eines Bürgers von Schaffhausen und deren Tochter Elisabeth, Klosterschwester in Tänikon, auf ein jährliches Leibgeding [Leibrente] von 10 Gulden (Urkunde, gegeben am 28. November 1382). Geschrieben von derselben Hand wie Bl. 10r.
  • Bl. 11v: leer.
  • Bl. 12r-15r: Hartmann der Ältere und der Jüngere, Grafen von Kyburg, bestätigen die Schenkung aller „Ehaftinen und Aigenschaften“ [in etwa: Rechte und Leibeigenschaften] des Dorfes Schwarzach ans Kloster Paradies (Kopie einer Urkunde von 1250). Geschrieben von derselben Hand wie Bl. 4r-8r.
  • Bl. 15v: Bezeichnung der vorangehenden Blätter als Kopie des Briefes von Hartmann dem Älteren und dem Jüngeren ans Kloster Paradies.
Entstehung der Handschrift:
Bemerkungen zu Autor und Werk:
Heinrich Murer benutzte für sein Werk vermutlich verschiedene Quellen. Er selbst gibt auf Bl. 1v die Schweizer Chronik von Johann Stumpf an, eine unbekannte Konstanzer Chronik und andere nicht näher benannte Geschichtswerke. Er erwähnt auch eine 1486 in Ulm gedruckte Geschichte Schwabens, die er „Conradus Dinckemut“ zuschreibt. Vermutlich handelt es sich dabei um die von Thomas Lirer verfasste „Schwäbische Chronik“, die am 12. Januar 1486 bei Konrad Dinckmut in Ulm erschienen ist.
Provenienz der Handschrift: Die Handschriften, die für das „Theatrum Ecclesiasticum Helvetiorum“, Murers Chronik aller Klöster, Bistümer und Stifte der Schweiz, vorgesehen waren, sind alle in der Kartause Ittingen entstanden. Dies gilt auch für die vorliegende Handschrift Heinrich Murers mit der Chronik des Klosters Paradies. Sie ist erst nach Aufhebung der thurgauischen Klöster im Jahre 1848ff. zur Kantonsbibliothek Thurgau gelangt, wo sie vermutlich auch gebunden wurde. Ob sie schon in Ittingen oder erst in der Kantonsbibliothek Thurgau mit den anderen Handschriften zu einem Sammelband vereinigt wurde, kann nicht mehr festgestellt werden.
Bibliographie:
    Gedruckte Quellen (chronologisch):
    • Lirer, Thomas: Schwäbische Chronik. Daran: Gmünder Chronik (bis 1462) / Thomas Lirer ; Holzschnitte vom Meister des Ulmer Terenz. Ulm: Konrad Dinckmut, 12. 01. 1486.
    • Stumpf, Johannes: Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten, Landen vnd Völckeren Chronick wirdiger thaaten beschreybung […] / durch Johann Stumpffen beschriben […] Zürich: bey Christoffel Froschouer, 1548.
    Literaturverzeichnis (chronologisch):
    • Meyer von Knonau, Gerold: Heinrich Murer, in: ADB 23 (1886), S. 60.
    • Meier, Gabriel: Der Karthäuser Heinrich Murer und seine Schriften / Gabriel Meier. Stans 1900 (SA: Der Geschichtsfreund ; Bd. 55, S. 3-38).
    • Schib, Karl: Artikel „Klarissenkloster Paradies“ / von Karl Schib, in: Der Franziskusorden: Die Franziskaner, die Klarissen und die regulierten Franziskaner-Terziarinnen in der Schweiz. - Die Minimen in der Schweiz. Bern 1978 (Helvetia Sacra ; Abt. V, Bd. 1, S. 587-600).