Frauenfeld, Kantonsbibliothek Thurgau, Y 111
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Beschreibung von Marianne Luginbühl, Kantonsbibliothek Thurgau, Frauenfeld, 2013.

Handschriftentitel: Heinrich Murer: Helvetia Sancta
Entstehungsort: Kartause Ittingen
Entstehungszeit: 1638
Beschreibstoff: Papier
Umfang: 392 Bll.
Format: 31 x 20,2 cm
Seiteneinrichtung: 27 x 17 cm, einspaltig, Text: 37-54 Zeilen, Register: 33-56 Zeilen
Buchschmuck:
  • 56 ganzseitige blau-, zum Teil auch graulavierte Federzeichnungen mit Darstellung der Schweizer Heiligen von der Hand des Konstanzer Malers Hans Asper d.J. (gest. 1655?). Unter den Abbildungen jeweils vier lateinische Distichen;
  • S. 407: Unkolorierte Federzeichnung vom Grab und von der Kapelle der heiligen Idda in Fischingen, wohl von der Hand Heinrich Murers;
  • S. 546: Unkolorierte Federzeichnung mit Christus am Kreuz und Strahlenkranz;
  • S. 577: Unkolorierte Federzeichnung mit gekröntem Christuskopf im Strahlenkranz
Einband: Pergamenteinband über Pappe, zeitgenössisch, Schleifenschliessen, Sprenkelschnitt.
Inhaltsangabe:
  • Bl. 1r Der angegebene Titel: Paradisus beatorum Helvetiae florum, das ist, Ein heiliger lustiger blumen-gartten, deren fürnemsten blumen von anfang der christenheit biß auff unsere zeyt in hailigkeit des lebens und mancherley wunderwercken gegrünnet. Frontispiz mit dem heiligen Beat, dem Apostel der Schweizer heraldisch rechts und Niklaus von Flüe heraldisch links, dazwischen eine Kartusche mit dem Titel und dem Autor Heinrich Murer, darüber die Schutzherrin der Eidgenossenschaft, die Gottesmutter Maria mit Kind und Sternenkrone, auf einer Kapelle thronend zwischen betenden und Blumen tragenden Putten. Gestochen von Rudolf Meyer, nach Hans Asper; früher Plattenzustand des Kupferstichs in der 1648 bei David Hautt in Luzern gedruckten Ausgabe.
  • Bl. 2r-3v Erste Vorrede: Von der Hand von Bruno Müller (ca. 1569-1651), Prior der Kartause Ittingen: biographische Angaben zu Heinrich Murer und zur Entstehungsgeschichte der Helvetia Sancta
  • Bl. 4r-6r Zweite Vorrede: Zweite Hand
  • Bl. 8r-374v Von der Hand Heinrich Murers:
    • (S. 1-7) Von der hailigisten jungfrauwen unnd mutter gottes Maria, der krancken hail
    • (S. 8-21) Von dem hailigen Beaten beichtiger, der Schweizeren apostel
    • (S. 22-24) Von dem seligen Achate beichtiger Sant Beaten junger zu den Schweizern
    • (S. 25-28) Von dem heiligen konig Lucio, beichtiger, konig in Engelland, der Pundteren apostel
    • (S. 29-30) Von der heiligen Emerita, konigin, jungfr[auw]. martyren
    • (S. 31-42) Von dem heiligen ritter Mauritio und seiner ganzen Thebaischen legion
    • (S. 43-52) Von dem hailigen Ursen unnd Victoren, auch ihren LXVI gesellen martyren
    • (S. 53-72) Von der hailigen jungfrauwen und martyrin Verenen
    • (S. 73-80) Von den hailigen Felix und Regula, auch Exsuperantio martyren
    • (S. 81-83) Von dem hailigen Fidel martyren
    • (S. 83-86) Von dem hailigen Gaudenzen bischoff unnd martyren
    • (S. 87-91) Von dem heiligen Severino abbt unnd beichtiger
    • (S. 93-112) Von dem hailigen Fridolino abbt unnd beichtiger
    • (S. 113-119) Von dem hailigen Sigismundo konig zu Burgund und martyrer
    • (S. 121-124) Von dem hailigen Hymerio, beichtiger und einsidler
    • (S. 125-130) Von dem hailigen Germano abbt unnd marterer
    • (S. 131-152) Von dem hailigen Gallo abbt unnd beichtiger
    • (S. 153-165) Von dem hailigen Magno abbt unnd beichtiger
    • (S. 167-176) Von dem hailigen Pirminio bischoff unnd beichtiger
    • (S. 177-186) Von dem hailigen Othmaro abbt unnd beichtiger
    • (S. 187-192) Von dem hailigen Theodulo, das ist Joder, bischoff unnd beichtiger
    • (S. 193-200) Von dem hailigen Findano auß Schottland unnd beichtiger
    • (S. 201-210) Von dem hailigen Meginrado einsidler unnd martyrer
    • (S. 211-228) [Von ettlichen heiligen des bistumbs Konstanz]
      • (S. 211) Von dem heiligen Pelagio martyren
      • (S. 212-213) Von den hailig Paterno und Laudone, bisch[offe]
      • (S. 213-214) Von dem seligen Johanne bischoffen
      • (S. 214-216) Von dem hailigen Audomaro bischoff[en]und seinen mitge[no]ssen beichtigern
      • (S. 216-218) Von dem hailigen Bertino abbte
      • (S. 218a) Von dem hailigen Anciradus, einsiedler und märtyrer
      • (S. 218-219) Von dreyen hailigen Engelsaxen martyren
      • (S. 219-220) Von einem hailigen bischoff zu Cham
      • (S. 220-221) Von dem heiligen priester Burchardo
      • (S. 221-223) Von einem heiligen einsidler und martyr [S. 222 fehlt]
      • (S. 223-224) Von einem anderen seligen waldbruder
      • (S. 224-225) Von dem seligen Henrico einem hirtten
      • (S. 225-226) Von dem gottseligen Henrico Barfußer
      • (S. 226-227) Von dem seligen Deobaldo beichtiger
    • (S. 229-240) Von ettlichen hailigen des bistumbs Basel
      • (S. 229) Von dem hailigen Euchario bischoff
      • (S. 229-231) Von dem hailigen Pantalo bischoff, mart[yrer]
      • (S. 231) Sancti Anonymi Martyres
      • (S. 231-233) Von der heiligen junckfrauwen Christina [zusammen mit ihren genossinnen]
      • (S. 233-235) Von den heiligen Romano und Lupicino
      • (S. 235-236) Von den hailigen Eugendo und Claudio abbten
      • (S. 236-238) Von dem hailigen Ursicino beichtiger
    • (S. 241-252) Von ettlichen hailigen Cuhrer bistumbs
      • (S. 241-242) Von dem hailigen Asinone und Puritio bischoffen
      • (S. 242-245) Von dem heiligen Placido martyren unnd Sigisberto abbtt und beichtiger
      • (S. 245-249) Von dem hailigen Florentino priestern und beichtiger
      • (S. 249-250) [Von dem seligen Wiggerus bischoffen]
      • (S. 250) Von den hailigen Wilhelmo und Adelgotto
    • (S. 253-262) Von ettlichen heiligen Walliser bistumbs
      • (S. 253-254) Von den heiligen Theodoro und Florentino & Hilario bischoff
      • (S. 254) Von den hh. Theodoro, Avito und Ambrosio
      • (S. 255) Von fünff heiligen abbten beichtig[ern]
      • (S. 256) Von dem heiligen Guntrammo konig
      • (S. 257-258) Von den hh. Amato, Althaeo und Garino bischoff
      • (S. 258) Von den heiligen Helia und Rudolffo
      • (S. 259) Von dem seligen Guitschardo bischoffen
    • (S. 263-272) [Von ettlichen hailigen des bistums Losanne]
      • (S. 263-264) Von den hailigen Prothasio und Mario bisch[offen]
      • (S. 264-265) Von den hailigen Heinrico und Amadeo
      • (S. 266-269) Von dem hailigen Bonifacio bischoff unnd beichtiger
      • (S. 269) Von dem seligen Willlhellmo bischoff
    • (S. 273-286) Von ettlichen heiligen eines closters S. Gallen
      • (S. 273-276) Von dem hailigen Columbano abbt unnd beichtiger
      • (S. 276) Von dem seligen Theodoro beichtiger
      • (S. 277) Von den seligen Eusebio und Ysone
      • (S. 278) Von dem seligen Landolo erzbisch[offen]
      • (S. 279) Von den seligen Tutelone und Hermanno
      • (S. 280) Von dem seligen Diethmaro abbt
      • (S. 281-282) Von den seligen Clemente, Victore, Notkero
      • (S. 282-283) Von den seligen Geraldo und Hartkero
      • (S. 283) Von anderen gottseligen Personen: Notkerus Labeus, Pertherat vidua, Kerhildis virgo, Kotelindis
      • (S. 284) Von dem seligen Reginbaldo bischoff
    • (S. 287-296) Von dem hailigen Notkero Balbulo beichtiger zu S. Gallen
    • (S. 297-310) Von der hailigen Wyborada martyrin
    • (S. 311-314) Von dem hailigen Bennone bischoff unnd einsidler
    • (S. 315-318) Von dem hailigen Eberhardo abbt unnd einsidler
    • (S. 319-336) Von dem hailigen Udalarico bischoff unnd beichtiger
    • (S. 337-344) Von dem hailigen Conrado bischoff unnd beichtiger
    • (S. 345-354) [Von ettlichen Heiligen eines klosters Einsiedeln]
      • (S. 345-347) Von dem seligen Adalrico einsidler
      • (S. 347-348) Von der seligen Regulinda herzogin
      • (S. 348-349) Von dem seligen Thietlando abbt
      • (S. 349-351) Von dem seligen Geraldo und sinnen shonen
      • (S. 351-353) Von dem seligen Gregorio abbten
      • (S. 353-354) Von der heiligen Adelhaiden keiserin
    • (S. 355-364) Von dem hailigen Wolfgango bischoff unnd beichtiger
    • (S. 365-374) Von dem heiligen Gebhardo bischoff unnd beichtiger
    • (S. 375-385) Von dem seligen Eberhardo graffen unnd beichtiger
    • (S. 385-390) Von dem heiligen Friderico abbt und beichtiger
    • (S. 391-396) Von den vier seligen zu Engelberg
      • (S. 391-393) Von dem seligen freyherren Conrado
      • (S. 393-394) Von dem seligen Adelhelmo abbten
      • (S. 394) Von dem seligen abbt Frowino
      • (S. 394-396) Von dem seligen Bertholdo abbten
    • (S. 397-410) Von der heiligen Idda graffenen unnd wittbwen
    • (S. 411-413) Von dem seligen knaben Rudolpho martyren
    • (S. 415-431) Von der seligen Elisabetha konigin und closteriungfrauwen
    • (S. 433-434) Von einem unschuldigen gemarterten knaben
    • (S. 435-436) Von dem seligen knaben Conrado martyren
    • (S. 437-482) Von dem gottseligen Armando beichtiger unnd Prediger Ordens
    • (S. 483-502) [Leben der zwölf seligen Klosterjungfrauen in Diessenhofen]
      • (S. 483-487) Von der seligen closterjungfrauwen Elisabetha Hamburgin
      • (S. 487-490) Von der seligen closterjungfrauwen Adelhaida Pfefferhartin
      • (S. 490-491) Von der seligen Elisabetha von Stofflen
      • (S. 491-494) Von der seligen closterjungfrauwen Anna von Ramschwag
      • (S. 494-496) Von der seligen Gutta Meslin leihenschwoster
      • (S. 496) [Von der seligen Adelheid von St. Gallen]
      • (S. 496-497) [Von der seligen Itta von Hallaw]
      • (S. 497-498) [Von der seligen Helci Brumsin]
      • (S. 498-499) [Von der seligen Adelhaid Ziegerin]
      • (S. 499) [Von der seligen Macthildis von Wangen]
      • (S. 500) [Von der seligen Clara Anna von Hochenburg]
      • (S. 501-502) [Von der seligen Adelhaid von Spiegelberg]
    • (S. 505-528) [Leben ettlicher klosterjungkfrauwen der Frauenklöster Töss und Ötenbach]
      • (S. 505-506) [Von der seligen Itta von Wetzickon]
      • (S. 506-507) [Von der seligen Itta von Sultz]
      • (S. 507-509) [Von der seligen Elisabetha Scheflin]
      • (S. 509-510) [Von der seligen Margaretha Willin]
      • (S. 510-511) [Von der seligen Beli von Liebenberg]
      • (S. 511-512) [Von der seligen Offmya von Munchweil]
      • (S. 512-513) [Von der seligen Margaretha und Agnata]
      • (S. 513-514) [Von der seligen Anna von Clinglaw](Klingnau?)
      • (S. 514-515) [Von den seligen Beli & Catharina]
      • (S. 515) [Von der seligen Margaretha von Hunickon]
      • (S. 515) [Von der seligen Anna Wansasellerin]
      • (S. 515-517) [Von der seligen Adelhaid von Frawenberg]
      • (S. 517-519) [Von der seligen Mechtdilis von Stantz]
      • (S. 519-520) [Von der seligen Lucia Schulthessin]
      • (S. 520-521) [Von der seligen Margaretha von Zurich]
      • (S. 521-523) (S. 522 fehlt): [Von der seligen Itta Sultzerin]
      • (S. 523-524) [Von der seligen Elisabetha von Elgaw]
      • (S. 524-525) [Von der seligen Elisabetha Bechlin]
      • (S. 525-528) [Von der seligen Elisabetha Steiglein]
    • (S. 530-539) [Das Blutwunder von Willisau]
    • (S. 540-543) [Tod des seligen Knaben Ludwig von Brugg]
    • (S. 544-548) [Diebstahl des Sakraments aus der Kirche von Ettiswil]
    • (S. 550-559) [Konrad de Grossis]
    • (S. 562-586) [Nicolaus von Flüe]
    • (S. 588-593) [Ulrich im Mösli]
    • (S. 594-601) [Hans Wagner, Kartäuser]
    • (S. 602-607) [Konrad Scheuber]
    • (S. 608-609) [Cäcilia im Möslin]
    • (S. 610-621) [Petrus Canisius]
    • (S. 622-631) [Nicolò de Rusca und Pater Fidelis von Sigmaringen]
  • Bl. 375r-376v Index von der Hand Heinrich Murers
  • Bl. 378r Namen und Register der Heiligen und Seligen von der Hand Murers, unvollständig
  • Bl. 380r-389r Register von erster Hand
  • Bl. 391r Verzeichnis der Historien und Leben von den Heiligen und Seligen Gottes, von der Hand Murers, unvollständig
Entstehung der Handschrift: Bemerkungen zu Autor und Werk:
  • Der Verfasser der Handschrift, Heinrich Murer, eigentlich Johann Heinrich, wurde am 2. März 1588 in Baden (Kanton Aargau) geboren. Er stammte aus einer Badener Familie. Seine Mutter, Salome Bodmer von Baden, heiratete in zweiter Ehe 1592 den Ritter, Alt-Schultheissen und Bannerherrn Ludwig Pfyffer von Altishofen aus Luzern, der indessen schon 1594 starb. Murer wuchs in Luzern auf. Er wird in den Quellen als civis Lucernensis, Bürger von Luzern, erwähnt und bezeichnet sich selbst in seinen Büchern so, ist aber im Luzerner Bürgerbuch nicht erwähnt. Murer besuchte zuerst die Jesuitenschule in Luzern, darauf diejenige in Pruntrut, wohl um die französische Sprache zu erlernen. Nach Abschluss der Schule studierte er Philosophie in Paris. Hier kam es offenbar zu ersten Kontakten mit dem Kartäuserorden. Die Ermordung des französischen Königs Heinrich IV. veranlasste ihn zur Rückkehr in die Schweiz. 1611, noch in Luzern, begann er ein Verzeichnis der Schweizer Heiligen anzulegen, das die Grundlage seiner „Helvetia Sancta“ bilden sollte. 1614 trat er in den Kartäuserkonvent Ittingen ein, wo er am 28. Februar 1638 starb.
  • Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass Heinrich Murer als Vorbild für seine „Helvetia Sancta“ die „Bavaria Sancta“ von Matthäus Rader diente, die 1615 in München erschienen war. Wie die „Helvetia Sancta“ ist sie reich illustriert mit Radierungen von Raphael Sadeler aus Antwerpen nach Zeichnungen von Matthias Kager. Murers Stiefbruder Christoph Pfyffer und dessen Gattin Anna Meyenberg schenkten dieses Buch 1621, also sieben Jahre nach dem Klostereintritt Murers, der Kartause Ittingen. Es findet sich heute in den Beständen der Kantonsbibliothek Thurgau.
Provenienz der Handschrift: Die „Helvetia Sancta“ von Heinrich Murer ist nach der Fertigstellung wie die anderen Handschriften Murers in der Kartause Ittingen geblieben. Vermutlich ist sie erst nach der Aufhebung der thurgauischen Klöster im Jahre 1848ff. in die Kantonsbibliothek Thurgau gelangt.
Bibliographie:
  • Meier, Gabriel: Der Karthäuser Heinrich Murer und seine Schriften / von Gabriel Meier. - Stans 1900 (SA: Der Geschichtsfreund ; Bd. 55, S. 3-38, bes. S. 28);
  • Früh, Margrit. - Die Vorzeichnungen von Hans Asper (d.J.) zu Heinrich Murers „Helvetia Sancta“ in der Kantonsbibliothek Frauenfeld / Margrit Früh (SA: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte ; Bd. 45 (1988), S. 179-206);
  • Luginbühl, Marianne. - Die Bibliothek des Klosters Fischingen in der Barockzeit und heute / Marianne Luginbühl, in: Barockes Fischingen. Katalog [der] Ausstellung zum Abschluss der Restaurierungsarbeiten am Kloster Fischingen 1980-1991 unter dem Patronat des Thurgauer Regierungsrates. - Fischingen 1991, S. 93-123, bes. S. 104-107.