Frauenfeld, Kantonsbibliothek Thurgau, Y 118
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Beschreibung von Marianne Luginbühl und Maria Solovey, Kantonsbibliothek Thurgau, Frauenfeld, 2017.

Handschriftentitel: Geschichte der kleineren Zürcher Klöster und Stifte
Entstehungsort: Kartause Ittingen
Entstehungszeit: zwischen 1614 und 1638
Frühere Signatur: M 41q
Beschreibstoff: Papier
Umfang: 16 Bll.
Format: 310 x 195 mm
Seiteneinrichtung: Schriftraum 256 x 150 mm, einspaltig, 49-52 Zeilen
Buchschmuck: 1r Blaulavierte Federzeichnung mit dem heiligen Augustin und dem heiligen Nikolaus von Tolentino mit ihren Attributen, dazwischen ein Wappenschild mit dem Grossbuchstaben „A“ (für den Augustinerorden?); 4r Blaulavierte Federzeichnung mit dem heiligen Franziskus und dem heiligen Bonaventura, dazwischen ein Wappen mit zwei sich überkreuzenden Armen (für den Franziskanerorden); 7r Blaulavierte Federzeichnung mit dem heiligen Nikolaus von Myra und der heiligen Katharina von Alexandrien mit dem Rad im Hintergrund, dazwischen ein Wappenschild mit einem Vogel; 12r Blaulavierte Federzeichnung mit dem heiligen Dominikus, dem Gründer des Predigerordens und dem heiligen Petrus, dazwischen ein Wappenschild mit dem Grossbuchstaben P (für den Predigerorden?); 2r sechs Leerräume für Familienwappen ausgespart und beschriftet.
Einband: Papier über Pappe, blaugrün gesprenkelt, 19. Jh.
Inhaltsangabe:
  • Heinrich Murer: Geschichte der kleineren Zürcher Klöster und Stifte
    • (Ir-v) leer
    • (1r) Coenobia virorum sacri ordinis S. Augustini. Von Underscheidlichen Manns Clostern Sant Augustini Ordens in Schweitzerland: Wie die selben Ehrbauwen auff und zugenommen. Aluch [sic] was denckwurdiges sich bei und mit ihnen verloffen.
      Darunter die oben erwähnte Federzeichnung. Es handelt sich um ein Titelblatt für eine Sammlung der Chroniken Schweizer Augustinerklöster.
    • (1v) leer
    • (2r-2v) Coenobium hermitarum S. Augustini Thurense [sic] Von Ehrbauwung auff und zunemmen des Augustiner Closters in der Minderen Stadt Zurich. Name seinen Anfang im MCCLXV Jahr Christi.
      Die Chronik des Zürcher Augustinerklosters der minderen Stadt Zürich beginnt mit der Gründung im Jahr 1265 unter Kaiser Rudolph I. von Habsburg und endet 1349. Auf die Reformationszeit und die Aufhebung des Klosters 1524 geht Murer hier nicht ein.
    • (3r-v) leer
    • (4r) Coenobia virorum seraphici ordinis S. Francisci. Von Underscheidlichen Mans Closteren des Seraphischen Vatters Sancti Francisci Ordens im Schweitzerland wie die selben ehrbauwen. Auff und zugenommen: Auch was denckwurdiges sei bei und mit ihnen verloffen.
      Darunter die oben erwähnte Federzeichnung. Es handelt sich um ein Titelblatt für eine Sammlung der Chroniken Schweizer Barfüsserklöster.
    • (4v) leer
    • (5r-6r) Coenobium conventualium S. Francissci Thuricense. Von Erbauwung, auff und zunemmen des Barfeusser Closters Sancti Francisci in der grossen Stadt Zurich. Name seinen anfang umb das MCCXXXIV Jahr Christi.
      Die Geschichte des Barfüsserklosters beginnt mit der Ansiedlung der Barfüssermönche und dem Aufbau eines Klosters in der Stadt Zürich (1234). Erneut geht Murer auf die Zeit um Rudolf I. und Rudolf III. von Habsburg ein und belässt die Chronik fragmentarisch.
    • (6v) leer
    • (7r) Die oben erwähnte Federzeichnung ohne Titel und Inschriften.
    • (7v) leer
    • (8r-9r) Coenobium S. Nicolai Thuricense Praedicatorum. Von erbauwung auff und zunemmen des Closters Sancti Nicolai Bischoffs und Beichtigers der Stadt Zurich Prediger Ordens. Name seinen Anfang imm MCCXXX Jahr Christi.
      Die Chronik beschreibt die Entstehung des Zürcher Predigerordens um 1230 in Zürich. Auch hier geht Murer vor allem auf die Zeit zwischen 1230 und 1340 ein und vernachlässigt die späteren Ereignisse.
    • (9v) leer
    • (10r) Coenobium S. Verenae virginis sororum Thuiense. Von Ehrbauwung auff und zunemmen der Samlung in Zurich bei Sant Verenen Jungfrauw und Martÿren Barfeusser Orden. Name seinen anfang umb das MCCLX iahre.
      Der kurz gehaltene Text beschreibt die Beginengemeinschaft der Heiligen Verena in Zürich und deren Schicksal nach dem verheerenden Brand 1280.
    • (10v-11v) leer
    • (12r) Coenobia virorum Sacri Praedicatorii ordinis. Von Underscheidlichen Manns Closteren Prediger Ordens in Schweitzerland wie die selben ehrbauwen, auff unnd zugenommen; Auch was denckwurdiges sich bei und mit ihnen verloffen und zugetragen.
      Es handelt sich um ein Titelblatt für eine Sammlung der Chroniken Schweizer Männerklöster des Predigerordens.
    • (12v) leer
    • (13r-14r) Coenobium S. Mariae Magdalenae in Ottenbach. Von Erbauwung auff und zunemmen des Frauwen Closters Sanctae Mariae Magdalenae Prediger Ordens im Ottenbach der Stadt Zurich: Name seinen Anffang Anno D[omi]ni MCCX.
      Die Geschichte des Frauenklosters S. Maria Magdalena in Ottenbach (Oetenbach) beginnt gemäss Murer 1210 mit der Erbauung des Klostergebäudes in Ottenbach. Anschliessend teilt Murer die Chronik in vier Teile auf, von welchen der vierte (D) nicht niedergeschrieben wurde. Murer berichtet von dem Konflikt des Frauenklosters mit Walter Meiss von Zürich 1299 (A), von dem Brand der Stadt Zürich 1313 (B) und von der Zürcher Mordnacht 1350 sowie ihren Auswirkungen auf das Frauenkloster (C). Erneut bricht die Chronik ab.
    • (14v-15v) leer
Entstehung der Handschrift: Auf 2r ist ein Papierstreifen mit Ergänzungen von der Hand Murers eingeklebt. Darauf wird zum einen auf die Stumpf Chronik und zum anderen auf die Schweizer Chronik von Christoph Silberysen (1542-1608) verwiesen. Siehe dazu Aarau, Aargauer Kantonsbibliothek, MsWettF 16: 1. Über weitere Quellen ist nichts bekannt.
Provenienz der Handschrift: Die Handschrift Murers mit der Chronik verschiedener Zürcher Klöster war nach ihrer Fertigstellung wie die anderen Chroniken für das „Theatrum Ecclesiasticum Helvetiorum“ vorgesehen.
Erwerb der Handschrift: Vermutlich ist die Handschrift erst nach der Aufhebung der Thurgauischen Klöster im Jahre 1848 in die Kantonsbibliothek Thurgau gelangt, wo sie wahrscheinlich auch gebunden wurde und die alte Signatur M 41q erhielt.
Bibliographie:
  • Meyer von Knonau, Gerold: Heinrich Murer. In: ADB 23 (1886), S. 60.
  • Meier, Gabriel: Der Karthäuser Heinrich Murer und seine Schriften. Stans 1900 (SA: Der Geschichtsfreund ; Bd. 55), S. 3-38.
  • Marchal, Guy P.: St. Verena in Zurzach. In: Die weltlichen Kollegiatstifte der deutsch- und französischsprachigen Schweiz, Bern 1977 (Helvetia Sacra, Abt. II, Teil 2), S. 597-627.
  • Walter Baumann: Zürichs Kirchen, Klöster und Kapellen bis zur Reformation. Zürich 1994.
  • Guisolan, Michel: Heinrich Murer (1588-1638). Kartäusermönch und Historiker. In: Thurgauer Köpfe 1, hrsg. v. André Salathé, Thurgauer Beiträge zur Geschichte, Bd. 132 (1995), Frauenfeld 1996, S. 233-240.
  • Helbling, Barbara (Hg.): Bettelorden, Bruderschaften und Beginen in Zürich: Stadtkultur und Seelenheil im Mittelalter. Zürich 2002.
  • Regine Abegg, Christine Barraud Wiener: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Hrsg: Gesellschaft für Schweizer Kunstgeschichte, Neue Ausgabe Band II.I/III.I, Bern 2002/2007.