Handschrift in dieser Sammlung wählen: B26  B133 B217  S58  18/80
Standortland:
Standortland
Schweiz
Ort:
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Zürich
Bibliothek / Sammlung:
Bibliothek / Sammlung
Braginsky Collection
Signatur:
Signatur
B173
Handschriftentitel:
Handschriftentitel
Sefer sod Adonai im scharwit ha-sahaw (Buch des Mysteriums des Herrn mit [dem Kommentar] „Goldenes Zepter“)
Schlagzeile:
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Pergament · 29 + 1 ff. · 12 x 8.5 cm · Wien, [Arje ben Juda Leib] · 1716
Sprache:
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Hebräisch
Kurzcharakterisierung:
Kurzcharakterisierung
Buch des Mysteriums des Herrn mit [dem Kommentar] „Goldenes Zepter“ lautet der Titel dieses Mohelbuches (Beschneidungsbuch) aus dem Jahr 1716, welches aufgrund des Stils und der Schrift dem Schreiber (Sofer) Arje ben Juda Leib aus Trebitsch (Moravien), der in Wien tätig war, zugeschrieben werden kann. Die Handschrift beinhaltet mehrere Illustrationen verschiedener Szenen: unter anderem auf der Titelseite eine Darstellung einer Menschengruppe in der Synagoge, die eine Diskussion führt. Dabei ist es bemerkenswert, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen anwesend sind. Das zweite Blatt zeigt den Erzengel Rafael mit dem jungen Tobias, der seinem blinden Vater zur Heilung einen Fisch nach Hause bringt. Erzengel Rafael als Schutzengel der Kinder kommt als Motiv sonst nur in der christlichen Kunst vor. Arje ben Juda Leib könnte somit eine unbekannte katholische Vorlage benutzt haben, um die Schutzfunktion der Beschneidung für jüdische Knaben zu verdeutlichen. Arje ben Juda orientierte sich bei seiner Schrift an den Amsterdamer Drucktypen und leitete damit die Mode be-otijjot Amsterdam („mit dem Buchstaben von Amsterdam“) ein, die Verfertigung von Handschriften in Amsterdamer (Druck-)Schriftarten. (red)
DOI (Digital Object Identifier):
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10.5076/e-codices-bc-b-0173 (http://dx.doi.org/10.5076/e-codices-bc-b-0173)
Permalink:
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http://www.e-codices.unifr.ch/de/list/one/bc/b-0173
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Wie zitieren:
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Zürich, Braginsky Collection, B173: Sefer sod Adonai im scharwit ha-sahaw (Buch des Mysteriums des Herrn mit [dem Kommentar] „Goldenes Zepter“) (http://www.e-codices.unifr.ch/de/list/one/bc/b-0173).
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19.03.2015
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e-codices · 15.01.2015, 15:01:23

Der versierte Sofer (Schreiber) Arje ben Juda Leib aus Trebitsch (Ťřebíč) setzte den Anfang einer «Nachblüthe» (David Kaufmann) der Illustrierung hebräischer Handschriften in Mittel- und Nordeuropa im 18. Jahrhundert, und zwar mit einem zwischen 1712 und 1714 verfertigten täglichen Gebetbuch, das heute in der Bibliothek des Jewish Theological Seminary in New York (MS 9240) aufbewahrt wird. Auf einer Widmungsseite trug der Schreiber seinen Namen ein: «Der junge Arje Juda Leib Sofer, Sohn des verstorbenen Elchanan Katz, gesegnet sei sein Andenken, der an einem Freitag, dem 28. Ijjar des Jahres 5468 [1708], in Jerusalem verstarb». Gegenwärtig kennen wir einige Dutzend Handschriften aus seiner Produktion, wovon mindestens fünf zum Genre der täglichen Gebetbücher zählen.
Arje ben Juda Leib war auch der erste Sofer, der seine Werke nach dem Muster der Amsterdamer Drucktypen schrieb. Damit stand er am Anfang der Mode be-otijjot Amsterdam, der «mit den Buchstaben von Amsterdam» verfertigten Handschriften. Auch die Titelseiten zeitgenössischer hebräischer Druckausgaben heben häufig den Hinweis auf die Amsterdamer Druckbuchstaben hervor, womit auf die hohe Druckqualität dieser Bücher hingewiesen werden sollte. Da mehrere von Arje ben Juda Leibs Handschriften auch auf Pergament gedruckte Kupferstiche enthalten, wäre zu prüfen, ob er nicht selbst in irgendeiner Form mit dem Druckgewerbe verbunden war, obwohl es eine hebräische Druckerei zu seiner Zeit in Wien noch nicht gegeben hatte. Aufgrund von Kriterien des Stils und der Schrift kann das vorliegende Mohelbuch (Beschneidungsbuch) Arje ben Juda Leib mit Sicherheit zugeschrieben werden.
Die Titelseite zeigt eine wohl in einer Synagoge stattfindende Szene, in der drei jüdische Männer mit ihren dicken Büchern inmitten einer Diskussion dargestellt sind. Bemerkenswerterweise sind dabei auch Frauen anwesend. Höchst ungewöhnlich ist ferner die Illustration zum apokryphen Buch Tobias auf fol. 2r. Sie zeigt den Erzengel Rafael mit dem jungen Tobias, der einen Fisch nach Hause bringt, um mit dessen Herz, Leber und Galle seinen blinden Vater zu heilen. Dieses Motiv des Schutzengels für Kinder ist sonst nur aus der christlichen Kunst bekannt. Möglicherweise verwendete der Künstler eine katholische, jedoch noch nicht identifizierte Vorlage, um damit die Schutzfunktion der Beschneidung für den jüdischen Knaben bildlich hervorzuheben. Im jüdischen Kontext gehört Rafael zu den drei Engeln, die Abraham besuchen, und sein Name bedeutet «Gott heilt».

Aus: Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 40.

e-codices · 15.01.2015, 14:33:39

In 1712 an accomplished Moravian scribe in Vienna, Aryeh ben Judah Leib of Trebitsch, started what would soon become a second flowering of Hebrew manuscript decoration in Central and Northern Europe. Between 1712 and 1714 he copied a daily prayer book that is now in The Library of The Jewish Theological Seminary in New York (MS 9340). At the bottom of a dedication page he signed his name: "The young Aryeh Judah Leib Sofer, son of the late Elhanan Katz, of blessed memory, who passed away on Friday, 28 Iyyar in the year 5468 [1708] in Jerusalem." Today some dozen manuscripts of his are known, among which at least five are daily prayer books.
Aryeh ben Judah Leib is the first recorded scribe to have written his manuscripts "with Amsterdam letters." Title pages of books printed outside of Amsterdam in the late seventeenth and early eighteenth centuries often contained a statement that the books were printed with Amsterdam letters, as an indication of quality. Aryeh ben Judah Leib transposed this custom to manuscripts. As a number of his manuscripts contain images that were printed on parchment, he may have been involved in the printing industry, although there was no Hebrew printing in Vienna at the time.
On the basis of certain scribal features unique to him, this mohel book can be attributed to Aryeh ben Judah Leib with certainty. Its title page appropriately depicts a circumcision in a synagogue. The image inspired by the apocryphal book of Tobit on folio 2r, however, is highly unusual. It depicts Tobias, the son of Tobit, who is traveling with his guardian angel Raphael and a small dog. On his shoulder he carries a fish whose heart, liver, and gall he needs to cure his father’s blindness. Although quite well known in Christian art, the inclusion of this theme in a Hebrew circumcision book, or even in a Jewish object of art, is unexpected. The idea that Raphael was the guardian angel of children, prevalent especially among Catholics, seems likely to have been borrowed as an apt symbol of filial protection for this circumcision book. It seems likely that Aryeh ben Judah Leib took this image from an unknown Christian, perhaps printed, source.

From: A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 104.

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Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 40-41.

A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 104-105B.

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