Dokumente: 18

Teilprojekt: Die Autographensammlung Bodmer

Beginn: Dezember 2015

Status: Laufend

Finanziert durch: swissuniversities

Beschreibung des Teilprojekts: Die Fondation Martin Bodmer stellt im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung ihrer Sammlung zusammen mit e-codices einen neuen Teil ihrer Sammlung bereit: die modernen und zeitgenössischen Autographe (16.-20. Jahrhundert). Diese Sammlung, die während eines halben Jahrhunderts zusammengeführt wurde, enthält mehrere tausend Dokumente, unter anderem vollständige Handschriften literarischer oder wissenschaftlicher Werke, Artikel oder Briefe von Literaten, Wissenschaftlern oder Politikern sowie zahlreiche bemerkenswerte oder noch unveröffentlichte Stücke. Ebenso findet man zahlreiche Dokumente, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom berühmten Schriftsteller Stefan Zweig, selbst grosser Autographensammler, zusammengetragen wurden.

Alle Bibliotheken und Sammlungen

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, B-24.1
Papier · 2 pp. · 23 x 19 cm · o.D. [Paris, um Januar 1797]
Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais, Pour Mr La Rochelle jouant Brid’oison. En cas de bruit à la fin, signiertes Autograph

Die Komödie Der tolle Tag oder Die Hochzeit des Figaro, uraufgeführt am 27. April 1784 und eine lebendige Satire der Gesellschaft des Ancien Régimes sowie der adligen Privilegien, deutete die Einleitung der Französischen Revolution an, an deren Anbruch sie zweifellos teilnahm. Nach dem Untergang der Monarchie 1792 war die Komödie auf mehreren Pariser Bühnen wieder aufgeführt worden, jedoch waren die Abschlussgesänge von Beaumarchais abgeändert worden. Die Schlussstrophe des stotternden Richters Don Gusman Brid'oison, die 1784 mit Tout fini-it par des chansons geendet hatte, wurde den Schwierigkeiten der Zeit angepasst: Pour tromper sa maladie, / Il [das Volk] chantoit tout l’opera : / Dame ! il n’sait plus qu’ce p’tit air-là : / Ca ira, ça ira…. Doch nach dem Fall Robbespierres und der Reaktion der Thermidorianer versetzten diese Worte die Jeunesse Dorée in Aufruhr, so wie die vorherigen die Sansculottes aufgebracht hatten. Da die Aufführungen durch dieses turbulente Publikum durcheinandergebracht wurden, vertraute Beaumarchais La Rochelle, dem Schauspieler, der die Rolle von Brid'Oison innehatte, ein alternatives Ende an, das en cas de bruit (im Falle von Lärm), rezitiert werden sollte. Diese Variante, die bis zu ihrer Publikation in jüngster Zeit unveröffentlicht geblieben war, stellt sich als Lobrede auf die Meinungsfreiheit und auf das sang froid de la raison (kalte Blut der Vernunft) gegen die stratagème (Listen) der ideologischen Intrigen dar. (duc)

Online seit: 22.06.2017

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, E-4.1
Papier · 12 ff. · 33 x 21 cm · 1920
Albert Einstein, Aether und Relativitätstheorie, Autograph

Zum Antritt seiner mehrwöchigen Gastprofessur an der Reichs-Universität zu Leiden hielt Albert Einstein am 5. Mai 1920 diese Vorlesung mit dem Titel „Aether und Relativitätstheorie“. Diese eigenhändige Niederschrift enthält zahlreiche Korrekturen und Streichungen. Noch im gleichen Jahr wurde die Vorlesung publiziert. Die Begrifflichkeiten dieser Rede finden sich auch in späteren Überlegungen Einsteins wieder. (fri)

Online seit: 17.12.2015

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, F-16.1
Papier · 4 pp. · 23 x 34.6 cm · 1851
Gustave Flaubert, Le Chant de la Courtisane, Autograph

Trotz der sichtbaren Rasuren handelt es sich hierbei um die vollendete Version dieses unbetitelten Textes, der aus sechs Absätzen auf zwei Blättern besteht, gebunden in rotes Saffianleder. Er war von Flaubert frühestens während seiner Orientreise mit seinem Freund Maxime du Camp geschrieben worden (1849-1851), obwohl es wahrscheinlicher scheint, ihn auf seine Rückkehr 1851 nach Frankreich zu datieren, den Moment, da er sein Leben dem Schreiben widmete. Später bekannt als Le Chant de la Courtisane war dieses Prosagedicht in humorvollem Tonfall von Flaubert selbst nicht veröffentlicht worden. Es fasst dennoch seine Erfahrungen als Schriftsteller zusammen: das Werk zeugt von der Faszination des Autors für die orientalische Kultur und Landschaft, die er auf realistische Art wiederzugeben wünscht. Ein Reisetagebuch, das seine Beobachtungen und Empfindungen festhält und sein fiktionales Schaffen direkt beeinflusste. Der Wortschatz zeigt seine Belesenheit und sein Bemühen um Genauigkeit, Vorgehensweisen, die in Salambo wieder anzutreffen sind. Martin Bodmer hat diese Handschrift, die aus der Sammlung Paul Voute stammt (der 1928 ein Faksimile davon publiziert hat), in der Buchhandlung Blaizot erstanden. (exq)

Online seit: 22.06.2017

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, F-16.3
Papier · 46 pp. · 22.5 x 35 cm · 1858
Gustave Flaubert, erläuterndes Kapitel aus Salammbô, Autograph

Von Flaubert in seiner Korrespondenz als erläuterndes Kapitel zu Salammbô erwähnt, besteht diese Handschrift aus 28 Blättern, die mit Ausnahme des Letzten, das Anmerkungen über die Götter enthält, alle durchnummeriert sind. Sie befindet sich in einer Mappe, auf der Flaubert den Titel des Werkes schrieb und mit 1857 datiert, das mit dem Beginn der Niederschrift von Salammbô übereinstimmt. Das Kapitel seinerseits wurde nach 1857 verfasst: es wurde in der Tat nach einer wichtigen, für sein Projekt unabdingbaren Dokumentationsphase und nach einer Reise nach Karthago entworfen. Bei seiner Rückkehr im Jahre 1858 arbeitete der Schriftsteller an einem Kapitel, das eine topographische und pittoreske Beschreibung einhalten soll „la description topographique et pittoresque de la susdite ville avec exposition du peuple qui l’habitait, y compris le costume, le gouvernement, la religion, les finances et le commerce, etc.“ (Brief an J. Duplan, datiert auf den 1. Juli 1858). Trotz einer gewissen Anzahl von Korrekturen und nebensächlichen Ergänzungen handelt es sich um die abgeschlossene Version des Textes, der schlussendlich aus dem Roman entfernt wurde, obwohl die Informationen daraus im Werk verstreut benutzt wurden. Das Kapitel enthüllt die Arbeitsmethode des Autors. Er zeichnet sich durch seine enzyklopädische Belesenheit und durch seine Sorge um Details aus, die ein Licht auf die ursprüngliche Herausforderung der Entstehung von Salammbô werfen, d.h. die Stadt Karthago, damals verschwunden, wiederherzustellen. Im November 1949 erstand Martin Bodmer diese Handschrift beim Buchhändler Blaizot. (exq)

Online seit: 22.06.2017

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, G-72.1
Papier · 66 ff. · 22 x 18 cm · [1810]
Grimm, Jacob und Wilhelm, Sammelhandschrift mit 45 Märchen und einer Sage (Autograph, unsigniert)

Am 25. Oktober und 15. Dezember 1810 sandte Jacob Grimm das vorliegende Manuskript Clemens Brentano. Es handelt sich um die älteste handschriftliche Überlieferung der Kinder- und Hausmärchen, denn die Brüder Grimm hatten ihre Vorarbeiten zur Märchenedition konsequent vernichtet, vermutlich um den Vergleich zwischen den handschriftlichen Versionen und der späteren, stark überarbeiteten und literarisierten Druckfassung (Erstausgabe 1812) zu verhindern. Laut der Analyse von Heinz Rölleke (Rölleke Heinz (Hg.), Die älteste Märchensammlung der Brüder Grimm. Synopse der handschriftlichen Urfassung von 1810 und der Erstdrucke von 1812, Cologny-Genève 1975) wurden 25 Märchen von Jacob Grimm geschrieben, 14 von Wilhelm Grimm (tlw. mit Nachträgen seines Bruders) und weitere 7 stammen von vier verschiedenen Händen. Martin Bodmer erwab diese Handschrift 1953 bei Mary A. Benjamin, New York. (fri)

Online seit: 17.12.2015

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, H-51.4
Papier · 1 f. · 32.5 x 21 cm · 1843 / (20.01.1756)
Friedrich Hölderlin, Der Frühling, Autograph

Dieses eigenhändige Gedicht in zwei Strophen zu vier Versen mit dem Titel “Der Frühling” wurde von Friedrich Hölderlin (1770-1843) am Schluss signiert “Mit Unterthänigkeit Scardanelli” und auf den 20. Januar 1756 datiert. Hölderlin, der ab ca. 1802 geistig erkrankt war, zeichnete seine Werke tlw. mit erfundenen Namen, darunter Scardanelli, und erfundenen Datumsangaben. Das angegebene Datum wurde von fremder Hand mit Bleistift auf 1843 berichtigt und legt nahe, dass dieses Gedicht kurz vor dem Tode Hölderlins entstand. (fri)

Online seit: 17.12.2015

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, H-51.5
Papier · 1 f. · 32.3 x 20.5 cm · 12.6.1842 / (15.11.1759)
Friedrich Hölderlin, Der Herbst, Autograph

Dieses eigenhändige Gedicht in drei Strophen zu vier Versen mit dem Titel “Der Herbst” wurde von Friedrich Hölderlin am Schluss auf den 15. November 1759 datiert. Hölderlin, der ab ca. 1802 geistig erkrankt war, zeichnete seine Werke tlw. mit erfundenen Namen und erfundenen Datumsamgaben. Am Kopf des Blattes von fremder Hand „Autographie v Hölderlin“ und die Berichtigung „Tübingen d 12 Juli 1842“. (fri)

Online seit: 17.12.2015

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, H-51.6
Papier · 1 f. · 32.5 x 20.5 cm · 7.11.1842 / (24.4.1849)
Friedrich Hölderlin, Der Winter, Autograph

Dieses eigenhändige Gedicht in zwei Strophen zu vier Versen mit dem Titel “Der Winter” wurde von Friedrich Hölderlin am Schluss signiert “Mit Unterthänigkeit Scardanelli” und auf den 24. April 1849 datiert. Hölderlin, der ab ca. 1802 geistig erkrankt war, zeichnete seine Werke tlw. mit erfundenen Namen, darunter Scardanelli, und erfundenen Datumsamgaben. Das angegebene Datum wurde von fremder Hand auf den 7. November 1842 berichtigt. (fri)

Online seit: 17.12.2015

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, H-71.3
Papier · 3 ff. · 21 x 30 cm · [Brüssel ?] · 11. Oktober 1869
Victor Hugo, [Impératrice] « Si j’étais femme (Hélas ! que je vous plains, ô mères !... ) », Autograph

Dieses unsignierte Gedicht von Victor Hugo beginnt mit den Zeilen „Si j’étais femme (Hélas ! que je vous plains, ô mères ! ...)“ und blieb bis 2009 unveröffentlicht. Den ursprünglichen Titel „Impératrice“ hat Hugo wohl aufgrund seiner Eindeutigkeit selbst durchgestrichen. Der Text richtet sich nämlich an die Frau Napoleons III., Eugénie de Montijo, welcher Hugo ihre „bigoterie“ (3r) und ihr „signe de croix grotesque à l’espagnole“ (1r) vorwirft. Somit weitet er seine bereits in den Châtiments dargestellte Kritik an Napoléon III. auf dessen Gemahlin aus. Die eigenhändige Datierung auf den 11. Oktober 1869 lässt auf eine Entstehung in Brüssel schliessen, wo Hugo seit dem Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 im Exil lebte. (fri)

Online seit: 17.12.2015

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, L-5.2
Papier · 30 pp. · 18.9 x 11.9 cm · ca. 1824-1826 und ca. 1851
Alphonse de Lamartine, Les Visions (Gesang II), Autograph

In den 1820er-Jahren begann Lamartine ein ambitioniertes dichterisches Projekt: Les Visions. Obwohl Fragmente in Jocely (1836) oder in La Chute d’un ange (1838) verwendet wurden, blieben die meisten dieser Verse während dreissig Jahren unveröffentlicht und wurden vom Dichter unermüdlich neu begonnen, abgeändert und korrigiert bis zur endgültigen Publikation 1851. Dieses Autograph des 2. Gesangs enthält eine Textstelle von zehn Versen, die schlussendlich nicht publiziert wurde (Auslassungspunkte kennzeichnen die Stelle in der Erstedition). (duc)

Online seit: 17.12.2015

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, M-23.3
Papier · 23 pp. · 19.6 x 29.8 cm · undatiert [Mai-Juni 1887]
Guy de Maupassant, Le rosier de Madame Husson, Autograph

Mit seinen sechs Romanen und seinen berühmten Novellensammlungen, die über dreihundert solcher Texte umfassen, hat sich Guy de Maupassant (1850-1893) einen Platz unter den wichtigsten französischen Autoren vom Ende des 19. Jahrhunderts geschaffen. Er zeichnete ein häufig ungeschminktes Bild der kleinstädtischen wie auch der Pariser Gesellschaft seiner Zeit. Dies ist auch in der vorliegenden Novelle der Fall, die als einzige eine separate Originaledition erhalten hatte, welche der Publikation im gleichnamigen Sammelband voranging. Dieses Manuskript wurde für den ersten Druck des Textes verwendet, welcher erstmals in La Nouvelle Revue vom 15. Juni 1887 veröffentlicht wurde. Es enthält zahlreiche Korrekturen und Streichungen (welche von der Entstehung der Novelle zeugen) sowie leichte Varianten im Vergleich zur im Band vom 28. März 1888 publizierten Version. (duc)

Online seit: 17.12.2015

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, M-45.1
Papier · 1 p. · 21.5 x 28.7 cm · undatiert [1541]
Michelangelo, Sonett und Brief an die Dichterin Vittoria Colonna, Autograph

Michelangelo (1475-1564) adressierte dieses Sonett und seinen Widmungstext an eine seiner nächsten Freundinnen, die Dichterin Vittoria Colonna (1492-1547), Markgräfin von Pescara. Obwohl der Maler häufig sehr sparsam mit Papier umging, verwendete er für diese Linien ein schönes und grosses In-Folio-Blatt, welches er faltete und zusammenklebte (um es dicker zu machen). In einer humanistischen Schrift, welche einer Zierschrift gleicht, wandte er mit Zeilenabständen und eingerückten Linien, welche die übliche Architektur des sonetto untermauern, besondere Sorgfalt für das Layout auf. Der Ton ist sehr respektvoll: Michelangelo grüsst freilich eine Freundin, doch auch eine Dame der feinen Gesellschaft, die ihm ein wertvolles Geschenk gemacht hat. Diese Gabe, welche seinen Empfänger „in paradiso“ bringen sollte, war sicherlich eine Handschrift der Sonetti spirituali der Dichterin (die sich in der Regel sehr diskret verhielt und nur selten ihre Verse zeigte). (duc)

Online seit: 17.12.2015

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, M-48.1
Papier · 1 f. · 13.5 x 10.5 cm · nicht datiert
John Stuart Mill, Note on Freedom of Speech, signiertes Autograph

Im Anschluss an die Philosophen der Aufklärung bezeichneten die liberalen Denker - zu denen auch Mill zählte - die Meinungsfreiheit als ein fundamentales Menschenrecht. In diesem kleinen Autograph mit eingeprägtem Monogramm „JSM“, das aus drei für den Versand bestimmten Folios besteht, kopiert der Philosoph eine Passage aus seinem berühmten „On Liberty“ von 1869, dem Kapitel II entnommen: „Of the Liberty of Thought and Discussion“. Mill betont darin, dass die Menschheit nicht mehr das Recht dazu hätte, eine einzelnstehende Meinung zum Schweigen zu bringen wie diese das Recht dazu hätte, der Menschheit den Mund zu verbieten, wenn sie denn die Macht dazu hätte. Dieses Briefchen wurde vom Autor Stefan Zweig 1923 erstanden, bevor es in den Besitz von Martin Bodmer kam. (giv)

Online seit: 22.06.2017

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, N-4.1
Papier · 3 pp. · 20.5 x 31 cm · 1818
Napoleon, César, Autograph

Während seines Exils auf St. Helena konnte Napoleon (1769-1821) eine Bibliothek von 3'000 Büchern benutzen – ein klägliches Mittel gegen Langeweile. Der gestürzte Kaiser fand dennoch Gefallen daran, die antiken und modernen Klassiker zu lesen und zu annotieren. Als Theaterliebhaber las er den Personen aus seinem Umfeld mehrmals La Mort de César von Voltaire vor. Er bekannte sich auch zu seinem Projekt eines Stücks zum gleichen Thema. Dieses Manuskript zeigt eine schnelle Skizze der ersten zwei Szenen. Auf der Seite 3 notiert der von seinem Stoff ermüdete Eroberer strategische und militärische Berechnungen, indem er Fregatten auf Regimenter und Geschütze treffen lässt. (duc)

Online seit: 17.12.2015

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, R-49.1
Papier · 1 f. · 18 x 12 cm · nicht datiert [ca. 1764]
Jean-Jacques Rousseau, Lettres écrites de la montagne (Brief VII), zweiter Entwurf, Autograph

Die Lettres écrites de la montagne bilden das letzte zu seinen Lebzeiten veröffentlichte Werk Rousseaus. Zum ersten Mal mischt sich der Philosoph hier direkt in die Angelegenheiten Genfs ein. Darin enthalten sind, abgesehen von grundlegenden Äusserungen, weiterentwickelte Gedanken über den Geist der Reformation sowie eine Verteidigung des Contrat Social. Der Brief VII, aus dem dieses Blatt stammt, unterstützt das Recht zur Vertretung, wenn es darum geht, Missbräuche des Kleinen Rates zu beheben, und empfiehlt den im Generalrat versammelten Bürgern, jede Neuwahl von Magistraten abzulehnen, sollten diese darauf beharren ihre von der Verfassung verliehenen Rechte zu überschreiten. Diese Lettres wurden sowohl in Genf wie auch in Paris zensuriert. Das vorliegende Dokument stammt aus der Sammlung Ch. Vellay (Kauf durch Martin Bodmer 1926) und enthält den Entwurf zweier Passagen der Lettres. Die erste davon erschien in der Originaledition (Amsterdam, M. M. Rey, 1764), die zweite in der Edition der Œuvres complètes der Bibliothèque de la Pléiade. (giv)

Online seit: 22.06.2017

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, R-49.2
Papier · 38 pp. · 27.5 x 18.5 cm · Dezember 1740
Rousseau, Mémoire présenté à M. de Mably sur l’éducation de M. son fils

Das Mémoire présenté à M. de Mably sur l’éducation de M. son fils ist das erste Schreiben Rousseaus, das direkt mit seinen Erfahrungen als Erzieher in Verbindung steht. Er hatte 1740 in Lyon ein schwieriges Amt als Hauslehrer inne, bei der Familie des Notablen Jean Bonnot de Mably, Generalprofos der Gendarmen von Lyon. Bereits nach einem Jahr fand diese Anstellung ein Ende. Zwei kleine Kinder, dem Studium wenig geneigt, waren ihm anvertraut worden: François-Paul-Marie Bonnot de Mably, genannt Monsieur de Sainte-Marie, fünfeinhalb Jahre alt, und Jean-Antoine Bonnot de Mably, genannt Monsieur de Condillac, viereinhalb Jahre alt. Das lange Mémoire, dem älteren Jungen gewidmet, betont den « erzieherischen Auftrag » und die Erfahrung mit der praktischen Erziehung: es präsentiert sich wie ein Konzept und eine Synthese, und seine Verfassung wird auf den Dezember 1740 eingeordnet. Der junge Hauslehrer wendet sich an M. de Mably, dem er seinen Plan und den Aufbau der Erziehung für seinen Sohn bekannt gibt, um « das Herz, das Urteilsvermögen und den Geist zu formen ». Es handelt sich nicht um die natürliche Erziehung, die später in Émile empfohlen wird. Hat Rousseau dieses Mémoire M. de Mably tatsächlich übergeben? Bekannt ist einzig, dass er dieses Manuskript des Mémoire an Mme Dupin, seine Arbeitsgeberin im Jahre 1743, verschenkte, und dass es seither in den « Papieren der Mme Dupin » aufbewahrt wird. Es wurde das erste Mal 1884 in Paris von G. de Villeneuve-Guibert im Le portefeuille de Madame Dupin herausgegeben. Das Manuskript der Fondation Bodmer ist das einzig existierende. Ein Projet d’éducation, viel kürzer, sauberer aufgebaut und von unbekanntem Datum, war zuerst in den Papieren Rousseaus bei seinem Tod gefunden worden (dieses heute verlorene Manuskript war 1782 in Genf herausgegeben worden). Es ist dem Mémoire sehr ähnlich und scheint später geschrieben worden zu sein (allerdings gibt es in Bezug auf die chronologische Reihenfolge der beiden Texte keine Sicherheit). (brc)

Online seit: 23.06.2016

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, T-3.3
Papier · 1 p. · 6.8 x 19.1 cm · o.D. [Ferrara, 1576]
Torquato Tasso (1544-1595), Strophe XVII, 42 des La Gerusalemme liberata, Autograph

Diese „paperolle“, die aus dem berühmten „Code Gonzague“ (aufbewahrt in der Biblioteca Ariostea von Ferrara) stammt, ist eine Arbeitsschrift für eine Passage, die dem grossen Epos von Tasso, das im vorherigen Jahr vollendet worden war, hinzugefügt wurde. Der Dichter hatte sein Werk mehreren Humanisten und ranghohen Gelehrten vorgelegt und er berücksichtigte gewisse Kritiken und Ratschläge, indem er seine Verse während des Sommers 1576 überarbeitete. Einige Strophen wurden tiefgreifend ausgebessert oder sogar vollständig neu geschrieben. Die Strophe 42 war eine der am stärksten überarbeiteten, so stark, dass Tasso diesen kleinen Papierstreifen mit der definitiven Version des Textes in die Handschrift kleben musste. Der Text beschreibt die Haltung und die Gedanken der muslimischen Prinzessin Armida, die sich anschickt, den Kalifen und seine Armee zum Kampf bis zum Tod gegen die Kreuzritter aufzurufen, um sich auf diese Weise am christlichen Held Rinaldo zu rächen, der sie verlassen hatte. (duc)

Online seit: 22.06.2017

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Cologny, Fondation Martin Bodmer, V-7.2
Papier · 114 pp. · 15.9 x 21.5 cm · 1. Februar 1611
Felix Lope de Vega y Carpi, Barlaán y Josafat, Autograph

Felix Lope de Vega y Carpio (1562-1635), Autor von zahlreichen comedias de santos, beendete diese Historia de Barlán y Josafat, comedia in drei Akten und in Versen in seinem Haus „En Madrid a primero de febrero de 1611“. Diese vollständige Handschrift enthält zahlreiche Korrekturen und Nachbearbeitungen. Diese Geschichte einer Bekehrung ist mehr als eine authentische christliche Legende (die damals dem Heiligen Johannes von Damaskus zugeschrieben wurde) – sie ist eine christianisierte Erzählung. Im Prinzen, der zuerst seinen Palast aufgibt, um die Plagen der Welt kennenzulernen, danach seinen Thron für ein meditatives Leben in Askese verlässt, kann man gewiss Buddha wiedererkennen. Die erbauliche christliche Geschichte, die an den Ufern des Ganges spielt, ist nichts anderes als eine Umsetzung des Vie du Bodhisattva, einem Text in Sanskrit des 2.-4. Jhs., der während der Jahrhunderte zuerst von den Manichäern, danach von den Arabern, Georgiern und Byzantinern übersetzt und bearbeitet wurde, bevor er schliesslich die Völker des weit entfernten Abendlandes erreichte: das Werk von Lope de Vega fügt sich also in eine eindrückliche Kette von geistigen Überlieferungen ein (ohne dass dies dem Autor bewusst gewesen wäre). (duc)

Online seit: 17.12.2015

Dokumente: 18