
| Land | Ort, Bibliothek | Handschriften |
|---|---|---|
| Deutschland | Überlingen, Leopold-Sophien-Bibliothek | 1 |
| Österreich | St. Paul in Kärnten, Stiftsbibliothek St. Paul im Lavanttal | 1 |
| Land | Ort, Bibliothek | Handschriften |
|---|---|---|
| Frankreich | Paris, Bibliothèque nationale de France | 1 |
| USA | Cleveland, The Cleveland Museum of Art | 1 |
| Russland | St. Petersburg, National Library of Russia | 1 |
Anzahl Handschriften: 18
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 43
Papier · 529 ff. · 33 x 22 cm · 1529/1530 bis 1532
In den Jahren 1529-1531 verfasste der St. Galler Humanist, Reformator und Politiker Joachim Vadian eine Geschichte des Klosters und der Stadt St. Gallen im Hoch- und Spätmittelalter (1199-1491). Sie erhielt den Namen Grössere Chronik der Äbte. Vadian zeigt darin den Wandel der Klosterstadt zu einer selbstbewussten, im Leinwandgewerbe zu Reichtum gekommenen Reichsstadt. Das Geschichtswerk ist gleichzeitig eine temperamentvolle reformatorische Streitschrift, welche die fortschreitende Korrumpierung der kirchlichen Würdenträger und Institutionen, insbesondere von Abt und Kloster St. Gallen, seit dem Investiturstreit anprangert und oft bissig kommentiert.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 292
Pergament · 180 ff. · 28.5 x 20 cm · St. Gallen (?) / St. Gallen · 2. Viertel des 9. Jahrhunderts
Im Sammelband VadSlg Ms. 292 sind drei unabhängig voneinander entstandene Teile vereint; sie wurden um 1460 im Kloster St. Gallen zusammengebunden. Der erste Teil ist ein Psalter aus dem 9. Jahrhundert; ob er in St. Gallen geschrieben wurde, ist fraglich. Das Hymnar aus dem 12. Jahrhundert im zweiten Teil enthält ein Widmungsbild des Schreibers Eberhard, der sein Buch Gallus überreicht, während Papst Gregor am Pult sitzend die Gesänge notiert, die ihm die Taube des Heiligen Geistes ins Ohr flüstert. Der dritte Teil ist ein Fragment mit einigen Prologen zum Psalter.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 292a
Pergament · 2 + 3 ff. · 23 x 18.5 cm · Oberitalien · um 410/420
Die Fragmente aus der Spätantike gehören zur ältesten erhaltenen Abschrift der Evangelien in der von Hieronymus ( † 420) revidierten lateinischen Fassung, der Vulgata. Die Handschrift wurde wohl noch vor dessen Tod in Oberitalien geschrieben. Im Frühmittelalter kam sie ins Kloster St. Gallen; bei der Reorganisation der Bibliothek um 1460 wurden die Blätter zur Verstärkung des neuen Einbandes von VadSlg Ms. 292 in den Buchrücken und auf die Innenseite der Deckel geklebt.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 294
Pergament · 324 ff. · 22 x 19-19.5 cm · St. Gallen · Letztes Viertel des 9. Jahrhunderts
Das Evangeliar im ungewöhnlichen, fast quadratischen Format wurde im späten 9. Jahrhundert im Kloster St. Gallen geschrieben und mit Initialzierseiten ausgestattet. Ebenfalls ungewöhnlich ist der Einband, der einst mit leuchtendem Seidenbrokat in Rot, Gelb und Grün überzogen war; Reste davon haben sich auf den Innenseiten der Deckel erhalten. Im 11. Jahrhundert wurde der Band von Ekkehart IV. annotiert; von seiner Hand stammen auch die Verse am Ende.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 295
Pergament · 192 ff. · 19 x 12,5 cm · St. Gallen · 11. Jahrhundert
Der kleinformatige Band aus dem 11. Jahrhundert vereinigt ein Kalendar, ein neumiertes Graduale mit den Messegesängen und ein Sakramentar mit den Gebeten der Messe. Er wurde wohl im Kloster St. Gallen geschrieben; im Spätmittelalter fand er in der Kapelle Peter und Paul in Rotmonten bei St. Gallen Verwendung. Zahlreiche ganze Blätter und Teile von Blättern mit Initialen sind herausgeschnitten.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 296
Pergament · 111 ff. · 25 x 18 cm · 12. Jahrhundert
In den Schriften De aritmetica und De institutione musica vermittelte Boethius dem Mittelalter griechische Mathematik und Musiktheorie. In der Handschrift des 12. Jahrhunderts sind die mehrfarbigen Schemazeichnungen mit besonderer Sorgfalt ausgeführt.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 298
Pergament · 80 ff. · 31 x 22 cm · Florenz · 1410 (?)
Der im Jahr 1410 in Florenz geschriebene Band gehört zu den ganz frühen Handschriften in humanistischer Minuskel und geht wahrscheinlich direkt auf das Vorbild von Poggio Bracciolini, den Schöpfer dieser Schrift zurück. Es ist nach dem Urteil von Berthold Louis Ullman "perhaps the best example of humanistic writing during the first decade of the fifteenth century – except Poggio's".
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 302
Pergament · 296 ff. · 30-30.5 x 20.5-21 cm · Zürich · um 1300
Die Rudolf von Ems-Handschrift ist im gleichen Zürcher Umfeld entstanden wie die Manessische Liederhandschrift, sie bildet eines der Hauptwerke der süddeutschen Buchmalerei um 1300. Dies gilt für die Miniaturen der Weltchronik des Rudolf von Ems wie für das Versepos des Strickers über Kaiser Karl den Grossen und seinen Kriegszug nach Spanien.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 307
Pergament · 233 ff. · 36.5 x 25.5 cm · Padua · 1442
Der zweite Band einer dreibändigen, 1442 und 1443 in Padua geschriebenen Liviusausgabe ist von besonderem Interesse, weil die Vorlage bekannt ist: die Liviushandschrift des Sicco Polentone (1375/76–1446), Kanzler in Padua, heute Holkham Hall Library, MS 349. Die vorliegende Handschrift ist in äusserst gleichmässiger Semigotica geschrieben und mit vorzüglichen Weissrankeinitialen ausgestattet.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 317
Pergament · 108 ff. · 23 x 18 cm · St. Gallen ? · 9.–10. Jahrhundert und um 1460
In diesem unscheinbaren Sammelband liess der Bibliothekar des Klosters St. Gallen um 1460 sechs Werke verschiedenen Inhalts und unterschiedlicher Herkunft zusammenbinden. Die einzelnen Stücke entstanden unabhängig voneinander im 9. oder 10. Jahrhundert. Einige sind nicht vollständig, es fehlt der Anfang, der Schluss oder beides. Dennoch hat die Sammelhandschrift früh Beachtung gefunden, weil einige Stücke für die Textüberlieferung wichtig sind. Für die Langobardenchronik des Andreas Bergamensis und die Vita des irischen Heiligen Findan enthält der Sammelband die einzige frühmittelalterliche Überlieferung; die "Admonitio ad filium" des griechischen Kirchenvaters Basilius und die "Visio Pauli", eine frühchristliche Jenseitsvision, gehören zu den ältesten Textzeugen.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 321
Pergament · 227 ff. · 19 x 13 cm · Weissenau OPraem bei Ravensburg · 13.–14. Jahrhundert
Das Chartular enthält die grundlegenden Rechtstitel des Praemonstratenserklosters Weissenau bei Ravensburg; die Päpste, Kaiser, Könige, Herzöge, Grafen, Bischöfe und Pröpste, die Urkunden ausstellten, sind am Rand mit ihren Attributen abgebildet. Dem eigentlichen Chartular vorangestellt ist eine Gründungsgeschichte, an das Chartular schliessen sich ein Zinsrodel und andere Dokumente.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 332
Pergament · 453 ff. · 21.5 x 15 cm · Nordfrankreich / Südengland (?) · 2. Hälfte des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts
Die reich illustrierte Taschenbibel aus dem Ende des 13. oder Beginn des 14. Jahrhunderts enthält das Alte und das Neue Testament, sie vereinigt die neue Kapitelzählung des 13. Jahrhunderts mit der alten eusebianischen Zählung in den Evangelien; bei den Psalmen stehen die gallikanische Version und die Übersetzung des Hieronymus nebeneinander. Bei den Psalmen beginnen die historisierten Initialen, die von reizvollen Drolerien begleitet sind.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 342
Pergament · 9 ff. · 30 x 21 cm · Im deutschen Sprachraum entstanden, wahrscheinlich in Böhmen · um 1360/1370
In der papstkritischen Bildpropaganda, die nach dem Textanfang "Ascende calve" genannt wird, stehen Bild und Text gleichwertig nebeneinander. Die Texte haben die Form von Weissagungen, die Handschrift der Vadianischen Sammlung ist der wichtigste Textzeuge. Die Bedeutung der Handschrift liegt aber vor allem in den faszinierenden Bildern, die in Grautönen gehalten sind.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 343c
Papier · 275 ff. · 38-39 x 27 cm · Hagenau · Mitte des 15. Jahrhunderts
Die zweibändige, grossformatige Historienbibel ist durchgehend in der charakteristischen Malweise der Werkstatt von Diebold Lauber in Hagenau bebildet. Bereits im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts ist die Historienbibel in Konstanz nachweisbar; im frühen 17. Jahrhundert wurden Fehlstellen in St. Gallen ausgebessert – eine der frühen Bemühungen um die Bestandeserhaltung in dieser Stadt.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 343d
Papier · 124 ff. · 38.5–39 x 27 cm · Hagenau · Mitte des 15. Jahrhunderts
Die zweibändige, grossformatige Historienbibel ist durchgehend in der charakteristischen Malweise der Werkstatt von Diebold Lauber in Hagenau bebildet. Bereits im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts ist die Historienbibel in Konstanz nachweisbar; im frühen 17. Jahrhundert wurden Fehlstellen in St. Gallen ausgebessert – eine der frühen Bemühungen um die Bestandeserhaltung in dieser Stadt.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 427
Papier · 128 ff. · 29 x 21 cm · Lyon · drittes Viertel des 15. Jahrhundert
Die Kosmologie des Lyoner Arztes und Astrologen Louis de Langle behandelt die Entstehung der Welt, die Beschreibung der Erde und die Sterne des Himmels. Beachtung verdienen die Bilder der Dekane, d.h. der Unterteilung der zwölf Tierkreise in jeweils drei Abschnitte in der Astrologie. Trotz der ansprechenden Bilder hatte das Werk keinen grossen Erfolg; es sind nur wenige Handschriften bekannt.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 455
Papier · 156 ff. · 30.5 x 21.5 cm · Südwestdeutschland · drittes Viertel des 15. Jahrhunderts
Der Sammelband entstand im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts unter dem Einfluss des Frühhumanismus in einer südwestdeutschen Stadt. Er enthält deutsche und lateinische Texte aus dem Spätmittelalter, einige mit Interlinear- und Marginalglossen. Die neueren Werke humanistischer Autoren stammen von Franciscus Petrarca, Aeneas Silvius Piccolomini (später Papst Pius II.), Hieronymus de Vallibus und Antonio Barzizza.
St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 484
Papier · 134 ff. · 23.5 x 16–16.5 cm · Italien · 1468
Heinrich Schlüsselfelders "Blumen der Tugend", eine Sammlung von belehrenden Kurzerzählungen, stützen sich auf eine italienische Vorlage. Der aus Nürnberg stammende Verfasser übertrug sie 1468 in Italien ins Deutsche. Das Papier ist italienischer Herkunft, die Lombarden, die Einbandstempel und die Reste der Schliessen zeigen italienische Formen. Als Buchschmuck verwendete Schlüsselfelder frühe italienische Kupferstiche, welche die Kardinaltugenden und ein Einhorn zeigen; wenig später illustrierte er oder ein Leser den Text auf den Rändern mit lavierten Federzeichnungen.