Engelberg, Stiftsbibliothek, Cod. 339
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Beschreibung für e-codices von lic. phil. Béatrice Gremminger, 2010.

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Manuscript title: Der Passionstraktat des Nikolaus Schulmeister
Place of origin: Luzern
Date of origin: 1396-1403
Support: Papier. Wasserzeichen: Piccard, Piccard online, Briquet. Nicht nachweisbar, vgl. 180r
Extent: 189 Bl.
Format: 215 x 150 mm
Foliation: Neuere Foliierung
Collation: 2 VI24 + V(-1)34 + 11 VI(-6)165 + IV173 + VI185 + III(-2)189. Kustoden in römischen Ziffern (ij - xvij) unten links marginal jeweils auf dem ersten Blatt der Lagen, ausser bei der ersten Lage. 12v/13r: Nummerierung der zweiten Lage auf dem letzten Blatt der ersten und auf dem ersten Blatt der zweiten Lage.
Page layout: Einspaltig, 19-23 Zeilen
Writing and hands: Kursive, zwei Hände. Teil 1 (1r-173v) stammt von der Hand des Luzerner Stadtschreibers Nikolaus Schulmeister. Teil 2 (174r-188v) von anderer Hand.
Decoration:
Additions: Vorderer Spiegel: unter Helmzier mit Habsburger Wappen Vermerk des Bibliothekars Pater Benedikt Gottwald: Eigenthum des löbl. Frauenklosters St. Andreas in Sarnen, bis 1615 in Engelberg. 22. xj. 1887. P.G.B.
2r: Besitzvermerk der Nonnen in der H-Initiale des Initiums das bůch ist allen closterfrowen zů engelberg.
Andere: 12v, 74r, 87r, 189r, 189v.
Binding: wahrsch. 1. Hä. 15. Jh. Zwei mit rotem Schafleder bezogene Holzdeckel, 5 Bünde, die drei mittleren doppelt. Urspr. einzelne Metallschliesse in der Mitte des Vorderdeckels. Ober- und unterhalb der Schliesse am Rand zwei Einschnitte im Leder, die den darunterliegenden Einkerbungen im Holz entsprechen als Vorbereitung für zwei weitere Schliessen, die nicht ausgeführt wurden. Hinweis auf Standardvorbereitung, dieselbe Ausführung findet sich bei den folgenden Engelberger Codices: 60 62, 98, 101, 114, 122, 125, 126, 143, 218, 238, 242, 243, 246, 247, 248, 250, 336.
Origin of the manuscript: Zwischen 1396-1403. Der Traktat wurde von dem aus Strassburg stammenden, seit 1372 als päpstlicher und kaiserlicher Notar belegten Kleriker Nikolaus Schulmeister, von 1378-1402 Stadtschreiber in Luzern (von Scarpatetti, 231/Stauffacher, 16), verfasst. 1r: incepi xv Jully 96 (Vermerk über Deckzeile von der Hand des Verfassers).
Provenance of the manuscript: Am 25. März 1403 der Luzerner Patrizierin Margaretha von Waltersberg, Witwe des Johann III von Waltersberg († 1394), geschenkt mit der Auflage, dass der Codex nach ihrem Ableben an die Klosterfrauen in Engelberg übergehen solle (189r: Widmung). Ab 1615 mit dem Wegzug der Nonnen in St. Andreas in Sarnen. Kommt 1887 mit verschiedenen anderen Codices zurück nach Engelberg.
Bearbeitungen
Bibliographie:
Codicological unit: 1. Teil (Bl. 1r-173v)
Page layout: Schriftraum ca. 140 x 85 mm. Waag- und senkrechte einfache Tintenliniierung, oberste Zeile als Decklinie freigelassen, keine Zeilenliniierung.
Main language: hochalemannisch (Ruh 1992, Sp. 872), deutliche elsässische Einfärbung (z.B. häufig auftretende Verdumpfung von mhd. â durch o)
Contents:
  • 1r : leer, Vermerk über Deckzeile von der Hand des Verfassers: incepi xv Jully 96
  • 2r : Initium Hie vohet an die usgenomen lere der heiligen vetter und lerer von der allervollekommensten verstantlichster wise Gotte ze lebende
  • 2r-4v : Einleitende kurtze lere: Ein brunne und ein ursprung alles gůtes […] (Ruh, 1992, 873 und 2000, 110)
  • 4v-12v : Vita-Christi-Prolog, nach der 'Vita Christi' Ludolfs von Sachsen. Das userwelte vas sant pauly schribet, das nieman kein ander fundament gelegen mag, wand das geleit ist, das ist Christus Jesus […] (4v) - Fundamentum aliud nemo potest ponere, ut ait Apostolus, præter id quod positum est : quod est Christus Jesus. […] (Vita Christi, Bd. 1, S. 1)
  • 13r-19r Passionsprolog, nach der 'Vita Christi' Ludolfs von Sachsen. Nu begegent mir ze redende, us dem liden unsers herren Jesu Christi, des ein ieglicher cristenlicher moͤnsche uf das minste ze siben molen am tage solte gedenken […] (13r) - Occurit nunc, ut Passionem Domini nostri Jesu Christi tractemus, de qua ad minus septies in die recordari deberet Christianus. […] (Vita Christi, Bd. 4, S. 1 / LVIII, 1)
  • 19r-152r : Passionstraktat, nach der 'Vita Christi' Ludolfs von Sachsen. Nu solt du wissen, das unsers herren gewonheit was ane sine Jungern, und alleine ze bettende […] (19r) - Christus intrat villam Gethsemani, ad orandum […] (Vita Christi, Bd. 4, S. 12-153 / LIX, 1 - LXVI, 9)
    • 25: Blatt fehlt
    • 65: Blatt fehlt
    • 68: Blatt fehlt
    • (72v) : leer, ausser oberster Zeile crúcigtent, mit iren henden. Lückenlose Fortsetzung des Textes auf 73r.
    • 93: Blatt fehlt
    • 133: Blatt fehlt
    • 146: Blatt fehlt
  • 152r-154r : Passionsepilog. Nu bedenke in dir selben wie der herre Jesus Christus, und was er fúr dich in disen vorbeschriben siben ziten her gelitten […] (152r) - Nunc recogita qualiter Dominus tuum septem horis prædictis pro te passus sit […] (Vita Jesu Christi, Bd. 4, S. 154f. / LXVI, 12f.). Kurze Rekapitulation der Passion auf die sieben Tagzeiten bezogen.
  • 154r-173v : Tagzeitbetrachtungen. Nu merke wir wol wie daz liden unsers herren geteilt ist in die siben zit […] (154r). Unterweisung eines Hl. Kartäusers an einen Ordensbruder. Vergegenwärtigung der Passion in komprimierter Form, auf die Tagzeiten hin ausgerichtet, im Sinn einer konzentrierten Andacht mit dem Ziel, die Leiden im Geiste nachzuvollziehen. Sehr enger Bezug zum Passionstraktat. Geht möglicherweise auf Schulmeister selbst zurück.
    • 165: Blatt fehlt, offenbar urspr. leergelassen. Die Foliierung geht fortlaufend weiter. Lückenlose Fortsetzung des Textes auf 165r (eigentlich 166r).
  • 173v : Erste Fürbitte des Verfassers und Überleitung zum Eucharistietraktat. Gedenkent ouch des, der dis buͤchelin von latine ze tuͤtschs het bracht. Sit nu die heilige messe, gennommen ist zů gůtem teile us dem liden Christi, So sag ich was die messe betútet und het do mitte dis buͤchlin ein ende.
  • 189r : Widmung. Dis bůch hab ich geben minre frowen von waltersperg ze Engelberg daz sol si han alle die wile si lebt, und noch irem tode sol es der frowen ze engelberg gemeinlich sin, daz si unsern herren bittent, fúr claus schůlmeister den alten schriber ze lucern, der es us der heiligen geschrift von latine ze tútschs het gemacht. Anno domini m°ccc lxxxx°sexto. und gap es gen engelberg an unser frowen tag in der vasten anno domini m°cccc°tertio. Und sint in disem bůche xxv gemoleter figuren von dem liden Christi. Und ein figure von der heiligen messe
Bibliography:
Codicological unit: 2. Teil (Bl. 174r-188v)
Page layout: Schriftraum 140 x 85 mm. Waag- und senkrechte einfache Tintenliniierung, oberste Zeile als Decklinie freigelassen, keine Zeilenliniierung.
Main language: hochalemannisch (Ruh 1992, 872)
Contents:
  • 174r-188r : Eucharistietraktat nach Marquard von Lindau, endet mit dem Beginn des Johannes-Evangeliums. Meister-Jünger-Gespräch wie bei Marquard, Dialogform nicht konsequent durchgehalten. Lieber min meister ich begere an úch das ir mir durch got gerůchent sagen von der ordenunge der heiligen messe und des heiligen sacramentes […] Auch in Basel, Universitätsbibliothek, B XI 23, fol. 385-448, (Ruh, Sp. 449) und in Zürich, Zentralbibliothek, C 10f, fol. 273v-283r.
  • 188r-188v : Credo
Bibliography:
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