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  • Scarpatetti Beat Matthias von, Die Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen, Bd. 2: Abt. III/2: Codices 450-546: Liturgica, Libri precum, deutsche Gebetbücher, Spiritualia, Musikhandschriften 9.-16. Jahrhundert, Wiesbaden 2008, S. 26-28.
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  • Scherrer Gustav, Verzeichniss der Handschriften der Stiftsbibliothek von St. Gallen, Halle 1875, S. 150.
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St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 457
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Scarpatetti Beat Matthias von, Die Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen, Bd. 2: Abt. III/2: Codices 450-546: Liturgica, Libri precum, deutsche Gebetbücher, Spiritualia, Musikhandschriften 9.-16. Jahrhundert, Wiesbaden 2008, S. 26-28.

Manuscript title: Martyrologium des Hrabanus Maurus
Place of origin: St. Gallen
Date of origin: 9. Jh.
Former shelfmark: Alte Signatur S. n. 245 p. 1
Support: Pergament. Solides, regelmässiges Pergament mittlerer Qualität, ev. Ziege, zahlreiche Löcher und angeschrägte Bogen.
Extent: A,B + 187 + Y,Z Seiten,
Format: 21,5 x 13/13,5 cm
Foliation: Paginierung I. v. A. mit rotem Farbstift, springt 11/13, von da an die geraden Seiten rechts.
Collation: Quaternionen, ausser IV[-1]1-14, welcher komposit ist, da nach p. 2 und p. 8 je ein Bogen halb beschnitten ist und das erste Blatt fehlt; Chrousts (s. u.) ältere Vermutung eines V[-2] wird von McCulloh (s. u.) mit Graphikbeleg korrigiert, IV[-1]80-93, nach p. 81 ein Bogen halb beschnitten, IV[-1], nach p. 187 1 Bogen halb beschnitten (Textende, Schluss der Hs.). Lagennummerierung a-l, jeweils am Schluss der Lage, bei der letzten [m] fehlt der Eintrag.
Page layout: Einspaltig 16,5/17 x 9/9,5 cm, 24 Z., Blindlinierung, Zirkellöcher.
Writing and hands: Carolina von einer Hand vermutlich des ausgehenden 9. Jhs., die von McCulloh (s. u.) mit S bezeichnet wird. Es ist eine eindeutig nicht st. gallische, elegante, streng vertikale, mehr breite als hohe, korrekt geschriebene Carolina, wie sie von westfränkischen und festland-insularen Händen her bekannt ist; der Text ist jedoch eher fehlerhaft und zeigt viele orthographische Varianten derselben Wörter (s. u. Lit.). Deshalb hat schon Chroust (s. u.) die Möglichkeit eines Hraban-Autographs verworfen. Nach ihm ist der Schreiber aus Fulda, nach Bischoff und ihm folgend Borst (s. u.) stammt er aus dem Mainzer Umfeld Hrabans. Die Schrift ist eingehend, mit vielen Beobachtungen zu einzelnen Buchstabenformen, beschrieben bei Chroust. Kapitelüberschriften in der üblichen Halbunzialen, welche gemäss Chroust einige insulare Formen aufweist. Titel rubriziert, kein Dekor. Viele Rasuren sowie Korrekturen von einer oder zwei Händen, die McCulloh auf p. XLIf. S1 und S2 nennt, im Detail charakterisiert und dem späten 9. Jh. zuweist; die Marginalie p. 109 dimitte duas lineas non scriptas ist bei Chroust abgebildet und steht den fünf Besitzeinträgen in St. Galler und süddeutschen Hss. nahe, die schon früh als diejenigen des Abtes Hartmut vermutet worden sind; dazu mit Vorbehalten CMD-CH III, p. 293 f. und Abb. 734-736; zur Hartmut-Zuteilung s. McCulloh, p. XLIII: »I know of no evidence for or against this view.« Die Hs. gilt als Vorlage für den Cod. 458, welcher den Text der Dedikation an Grimald enthält und von einer eindeutig st. gallischen Hand geschrieben ist.
Binding: Einband 9./10. Jh., noch in der Substanz authentisch, wohl nicht gefärbtes Leder auf Holzdeckeln, die nach karolingischer Art dick und weder abgeschrägt noch mit Fugen für die Schliessen versehen sind. Die beiden doppelten Kapitalien (Rücken und Buchblock) sind in die Wülste des Lederüberzugs eingenäht. Ein Hanffaden als Buchzeichen am Kapital angenäht. Einfache diagonale Streicheisenlinien vorn mit zentralem bilinearem Rombus, hinten mit ebensolchem Andreaskreuz, auf den Schnittpunkten runde und blattförmige figurative Stempel. Zwei nahe beisammen liegende Schliessen auf dem Hinterdeckel sind wohl im Spätmittelalter mindestens ersetzt, wenn nicht angebracht worden, das purpurfarbene Leder der verlorenen Schliessbänder noch sichtbar, hingegen keine sicheren Spuren von Schliessen-Halterungen. Im 19. Jh. blaugetönter papierener Vorsatz auf beide Deckelinnenseiten geklebt, ansonst nicht oder nur zurückhaltend restauriert. Gemäss Vezin (s. u.) ist der Einband im Originalzustand
Contents:
  • (1 oberer Seitenrand) Inhaltsangabe P. Pius Kolb
  • 1-187 [Hrabanus Maurus: Martyrologium] >kalendas ianuarias< Octabas dominicae natalis est. qua videlicet die idem dominus noster circum cisus est …–… columb,e virginis sesonis [korr.: senonis] sub aureliano Imperatore quae superato igne cesa est. Zur fehlenden Vorrede s. o. Lit. (Chroust).
    • Ed. aufgrund unserer Hs. als der Haupt-Hs. von John McCulloh in: CC Cont. med. 44, diese im Detail beschrieben p. XL-XLIII.;
    • Ders., The Passio Mauri Afri and Hrabanus Maurus' Martyrology, in: Anal. Boll. 91, 1973. p. 391-413. unsere Hs. erw. p. 393;
    • Dubois, Martyrologes (1978), Annex (1985), p. 5;
    • alte Ed. Heinrich Canisius. Lectiones Antiquae VI. Ingolstadt 1604, nach unserer Hs.;
    • Borst, Kalenderreform (1998), unsere Hs. unter den Plenarmartyrologien als m8 p. XXIX. 355-359 sowie 808 (Reg.);
    • Dümmler, Martyrologium Notkers (1885). Hs. nur erw. p. 197;
    • Wilhelm Levison, Zur Geschichte des Frankenkönigs Chlodowech. in: Bonner Jahrbücher 103. 1898, p. 42-86. unsere Hs. p. 67, mit Zitat des Eintrags vom 24. Sept. mit Erwähnung der Taufe Chlodwigs;
    • unsere Hs. wegen der Memmius-Vita erw. in Ders., Die Anfänge rheinischer Bistümer in der Legende, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 116, 1930, p. 18;
    • ebenso in: Oliver Berggötz, Hrabanus Maurus und seine Bedeutung für das Bibliothekswesen der Karolingerzeit, in: Bibliothek und Wissenschaft 27, 1994, p. 15;
    • Berschin, Biographie 3 (1991), p. 414, unter Erw. unserer Hs.;
    • Volker De Vry, [St.] Liborius. Brückenbauer Europas. Paderborn 1997, p. 328 und Reg.;
    • Ernst Kyriss, Vorgotische verzierte Einbände der Stiftsbibliothek St. Gallen, in: Gutenberg-Jahrbuch 1966, p. 321-330, p. 321 der Einband unserer Hs. als Nr. 2 von 10 karolingischen Einbänden beschrieben.
Provenance of the manuscript: Möglicherweise aus Fulda oder Mainz, wohl schon früh in StiBSG (zur Hrabanus Frage s. u. Lit., besonders
  • Chroust
  • ) gelangt. Stempel D.B. p. 187.
    Bibliography:
    • Chroust, Monumenta, Serie 1, Bd. 3 (1906), Lfg. XVII, Tf. 8. Die Hs. ist die älteste des Hraban'schen Martyrologiums; allerdings fehlt ihm heute die Vorrede, welche auf den verlorenen 3 Bll. der 1. Lage zu vermuten ist;
    • unsere Hs. weist st. gallische Korrekturen auf, die Chroust Hartmut zuweist. Aufgrund des Briefes Hrabans an Abt Ratleik von Seligenstadt (840-854) gilt das Martyrologium als dessen Auftragswerk, weshalb es Chroust gemäss diesen Abtsjahren datiert;
    • Bischoff (s. u.) grenzt noch auf 848-854 ein;
    • dazu zusammenfassend Rankin (s. u.), p.289-292;
    • Christ, Bibliothekseinbände (1937), p. 98, Abb.2, Nr.17;
    • Bernhard Bischoff, Bücher am Hofe Ludwigs des Deutschen, in: Mittelalterliche Studien 3 (1981), p. 195, hält den Band für ein »hrabanisches Original«, mit »eher Mainzer als Fuldaer Schrift«, zur Datierung auch Anm. 48;
    • VL2 6 col. 184f. unsere Hs. erw. (Raymund Kottje);
    • Susan Rankin, »Ego itaque Notker scripsi«, in: Revue Benedictine 101, 1991, p. 268-298, unsere Hs. zusammen mit Cod. 454, p. 289-292;
    • zur Fuldaer Frage neu Klaus Gugel, Welche erhaltenen mittelalterlichen Handschriften dürfen der Bibliothek des Klosters Fulda zugerechnet werden? Tl. I: Die Handschriften, Frankfurt 1995, p. 80 mit unserer Hs.;
    • Ochsenbein/Schmuki/Dora, Schreiben (1994), p. 22;
    • zum Einband detailliert Jean Vezin, Cinq reliures de cuir décorées à Fulda au temps de Hraban Maur, in: Fs. André Vernet, hg. v. Donatella Nebbiai, Turnhout 1998, p. 269-273, 284 (Lit.), mit Abb. 3f.