Frauenfeld, Kantonsbibliothek Thurgau, Y 22

Dario Binotto, Dörthe Führer, Pauline Jacsont, Mikkel Mangold, Laura Glöckler, Joana Keller, Rudolf Gamper, Katalog der mittelalterlichen Handschriften der Kantonsbibliothek Thurgau, Basel, 2025, S. 67–68.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags (Schwabe Verlag, Basel, Berlin). Das Copyright an der Handschriftenbeschreibung liegt beim Verlag.
Handschriftentitel: Ulrich Boner
Entstehungsort: Südwestdeutschland (?)
Entstehungszeit: zweites Drittel des 15. Jahrhunderts
Frühere Signatur: M.10
Beschreibstoff: Papier. Wasserzeichen: Ochsenkopf, WZIS Nr. DE8110-HBVIII1a_147 (1457/58) sowie jeweils eine Variante von DE8100-CodTheol222_999 (1460/61) und DE8100-CodTheol222_999a (1460/61).
Umfang: 120 Blätter
Format: 22 × 15–15,5 cm
Seitennummerierung: Neuere Foliierung: 1–120.
Lagenstruktur: 9 VI110 + V120. Alte Lagenzählung, teils beschnitten: ii (15r) – viiii (99r).
Zustand: Ein grosses Stück von Bl. 3 abgerissen (Textverlust), modern ergänzt, Beschädigungen an verschiedenen Blättern modern geflickt. Tintenflecke.
Seiteneinrichtung: Blindliniierung, vertikale Begrenzung des Schriftraums beidseitig durch je eine Reihe Punktierungen, Höhe des Schriftraums 16–17,5, Zeilenlänge uneinheitlich, 22–33 Zeilen.
Schrift und Hände: Bastarda mit Schleifen, wohl von einer Hand, Unterlängen der letzten Zeile manchmal ausgezogen.
Buchschmuck: Nicht rubriziert, Raum für zweizeilige (3r eine achtzeilige) farbige Initialen und Illustrationen ausgespart.
Spätere Ergänzungen:
  • Korrekturen von der Hand des Schreibers, z. B. 27v (Zeilenumstellung), 48v, 64v, 102r.
  • 118v Nachtrag von einer anderen zeitgenössischen Hand, siehe Inhaltsangabe.
  • Moderne Zählung der Fabeln nach der Edition von Pfeiffer mit Bleistift: II (3r) – XCIV (106r), von derselben Hand 4r7r Zeilenzählung.
Einband:
  • Kopertband aus Pergament mit nach vorne übergreifender, kurzer Klappe. Fragment: unfertiges Missale, erhaltenes Doppelblatt zu Pfingsten (Breite des Schriftraums 13 cm, schleifenlose Bastarda des 15. Jhs., Raum für 2–3zeilige farbige Initialen ausgespart), einzelne kleine Schäden geflickt. Kettenstichheftung über einer braunen Lederplatte mit parallelen Streicheisenlinien und Lochmuster (Blüten) auf Holzunterlage.
  • Vorsatz (Bl. 1, 2) Papier, Wasserzeichen: Dreiberg, Variante von WZIS Nr. DE4200-Donaueschingen239_7 (um 1462/63), Falz des Doppelblatts um die beiden ersten Lagen gehängt; vom Nachsatz nur der Falz eines weiteren Doppelblatts zwischen der vorletzten und der letzten Lage erhalten. Falze der einzelnen Lagen mit Pergamentstreifen verstärkt.
  • Auf dem Vorderdeckel Supralibros: Kreuzlingen, Wegmann, Exlibris Nr. 4108. Auf dem Rücken zwei übereinander geklebte Signaturschilder, das untere blau gerahmt, das obere schwarz: Y 22, Kant.-Bibliothek Thurgau.
  • 2008 restauriert durch das Atelier Strebel (Restaurierungsprotokoll liegt vor), 120r Werkstattaufkleber.
Inhaltsangabe:
  • 1r2v leer (bis auf Signatur und Titel: Boner, Edelstein, modern).
  • 3r107v Ulrich Boner: Edelstein Bestand nach Pfeiffer Nr. IIf., VIf., IX, XII, IVf., VIII, Xf., XIII– XVI, XVIII, XVII, XIX–XLVII, L, XLIX, LI–LIII, LV, LVIIf., LX–LXIII, LXV, LXVII–LXX, LXXII– LXXIV, LXXVI, LXXVIII, LXXVII, LXXIXf., LXXXII, LXXIV–LXXXIX, XCI, XC, XCII–XCIV. [A]ians mals ain aff kaim gerant untere Hälfte des Blattes schräg abgerissen, Textverlust. 4r //nit mag sicher sin wz ieman tuͦt …–… Des sicht mann dich in rúwen stan. Etc.
    Ulrich Boner, Der Edelstein, hrsg. v. Franz Pfeiffer, Leipzig 1844, S. 4, 5–7, 10–13, 14–16, 19f., 7–10, 13f., 16–19, 20–26, 28f., 26f., 29–75, 82–84, 79–82, 84–91, 93–95, 96–102, 104–112, 113–115, 117–123, 126–133, 135f., 138f., 136–138, 139–142, 144–146, 148–159, 161–163, 159f., 163–169.
  • 107v108r Gebet. Ach herr ich ston vor dir als ain schuldiger mensch vor ainem gewaltigen richter …–… so bit ich dich, her, dz du mich wissest uff den rechten weg dinr ewigen sellikait etc.
  • 108v113v leer.
  • 114r radierter Besitzeintrag (?). Hiebolt (?) von lingen presbyter ichem
  • 114v118r leer.
  • 118v Marienlied. Nachtrag. Die frow hymell ryff ich ain [sic] …–… Maria myn beschyrmerin, ain muetter gotz, ain Junckfrow reun. Vgl. Philipp Wackernagel, Das deutsche Kirchenlied von der ältesten Zeit bis zu Anfang des XVII. Jahrhunderts, Bd. 2, Leipzig 1867, S. 799f. Nr. 1030/31, nur die erste Strophe und die beiden ersten Zeilen der zweiten (mit deutlichen Abweichungen).
  • 119r120v leer.
Entstehung der Handschrift: Die Wasserzeichen sprechen für eine Datierung um 1460 und eine Herkunft aus dem südwestdeutschen Raum.
Provenienz der Handschrift: Im 15. Jh. vielleicht im Besitz eines Priesters namens Hiebold, vgl. 114r. Später im Besitz des Augustiner-Chorherrenstifts Kreuzlingen (Supralibros von ca. 1700, siehe ‹Einband›).
Erwerb der Handschrift: Spätestens seit 1858 unter der Signatur M.10 in der Kantonsbibliothek Thurgau, vgl. Katalog (siehe ‹Literatur›).
Bibliographie:
  • Katalog 1858, S. 90;
  • Katalog 1886, S. 151, 240;
  • Bruckner, Scriptoria 10, S. 49;
  • Ulrike Bodemann und Gerd Dicke, Grundzüge einer Überlieferungs- und Textgeschichte von Boners «Edelstein», in: Deutsche Handschriften 1100–1400. Oxforder Kolloquium 1985, hrsg. v. Volker Honemann und Nigel F. Palmer, Tübingen 1988, S. 430;
  • Ulrike Bodemann, Fabeln. Ulrich Boner, «Der Edelstein». Handschrift Nr. 37.1.7, in: Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters, hrsg. v. Ulrike Bodemann u. a., Bd. 4/1, München 2012, S. 225f. (Nr. 37.1.7);
  • Kattrin Schlecht, Fabula in situ. Äsopische Fabelstoffe in Text, Bild und Gespräch (Scrinium Friburgense 37), Berlin/München/Boston 2014, S. 80 (Anm. 274) und 155;
  • Handschriftencensus.
  • Die Hs. ist online auf der Seite des Projekts «Boners Edelstein – digital».