St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 1394.1
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Dr. Franziska Schnoor, Stiftsbibliothek St. Gallen, 2026.

Titre du manuscrit: Vergil, Bucolica und Georgica (Vergilius Sangallensis)
Origine: Italien (?)
Période: 3. oder 4. Jh. (Dold), 4. oder 5. Jh. (Schnoor), 5. Jh. (CLA Nr. 977; Mynors), Ende 5./Anfang 6. Jh. (Conte)
Support: Pergament
Volume: 3 Blätter und ein halbes Blatt
Format: p. 12: 26 × 34 cm
Format: p. 34: 25.5 × 35 cm
Format: p. 56: 25.5 × 18 cm
Format: p. 78: 26 × 34.5 cm
Mise en page: einspaltig, 19 Zeilen (nur 18 erhalten)
Type d'écritures et copistes: Capitalis quadrata von einer oder zwei Händen
Décoration:
  • Kolumnentitel mittig am oberen Seitenrand in kleinerer Capitalis quadrata (mit Angabe des Werks auf der verso-Seite und des Buchs auf der recto-Seite), Zierband am Ende der Georgica (p. 8).
  • Obere Schrift: Rubriken und rote Initialmajuskeln, mitunter zwei- bis vierzeilig.
Ajouts: Angaben zu Werk, Buch und Vers am oberen Rand von Ildefons von Arx (18. Jh.); p. 3 Federproben (13. Jh.). Bis auf die linke Hälfte von p. 3 sind alle Seiten Palimpseste. Im 13. Jh. wurden die breiten Fragmentblätter in Doppelblätter umfunktioniert und einspaltig mit liturgischen Texten überschrieben. Sie enthalten die alttestamentlichen Laudes-Cantica für alle Tage der Woche, die drei neutestamentlichen Cantica, das Te Deum und das Symbolum Athanasianum, die Hymnen Dulcis Iesu memoria und Iesu nostra redemptio, sowie die vollständigen Reihen der monastischen Cantica. Im 13. Jh. wurden die Blätter als Lage zusammengestellt (bestehend aus einem Binio, in das anschliessend an das zweite Doppelblatt ein Einzelblatt eingelegt war, und einem einzelnen gefalteten Doppelblatt) und im Anschluss an einen glossierten Psalter des 10. Jh. in die liturgische Sammelhandschrift Cod. Sang. 18 eingebunden. Auf einigen der Palimpsestblätter sind schwach Seitenzahlen erkennbar, die Ildefons von Arx geschrieben hat (beginnend mit p. 195 und endend mit p. 208; der Psalter in Cod. Sang. 18 endet mit p. 194). Auf einen frei gebliebenen Teil von p. 4b trugen zwei weitere Hände (14. Jh.?) die neun Lesungen für die drei Nokturnen des Totenoffiziums mit Incipits der Responsorien und ihrer Versikel ein.
Sommaire:
  • Vergil: Bucolica, Explicit und Georgica, Incipit; Georgica 4,345–362, 364–381, 383–400, 402–419, 535–552 und 554–566.
    Die Fragmente sind Teil einer Gesamtausgabe der Werke Vergils (Bucolica, Georgica, Aeneis). Der grossformatige Codex mit annähernd quadratischen Blättern (ursprüngliches Seitenformat mindestens 31.5 × 37 cm, möglicherweise sogar 37.5 × 40.5 cm) umfasste im Originalzustand etwas mehr als 340 Blätter. Neben den Vergilfragmenten in Rom/Berlin (Vergilius Augusteus, Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Vat. lat. 3256, und Berlin, Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz, Ms. lat. fol. 416) und Kairo (P. Oxy. 1098, Kairo, Ägyptisches Museum, JE 47435) sind sie weltweit die einzigen erhaltenen schriftlichen Zeugnisse in Capitalis quadrata.
Literatur
  • CLA 7, Nr. 977 (Elias Avery Lowe, Codices Latini Antiquiores, Bd. 7: Switzerland, Oxford 1956, Nr. 977, S. 39).
  • Alban Dold, Ein neues Fragment der berühmten St. Galler Vergilhandschrift in Capitalis elegans aus dem 3. oder 4. Jahrhundert, den schon bekannten, im Sammelkodex 1394 der Stiftsbibliothek St. Gallen eingereihten Blättern zugehörig, in: Wiener Studien 60, 1942, S. 79–86.
  • Mario Geymonat, I codici G e V di Virgilio, in: Memorie dell’Istituto Lombardo – Accademia di Scienze e Lettere. Classe di Lettere – Scienze Morali e Storiche 29, 3, 1966, S. 289–438.
  • Franziska Schnoor, Schriftbeschreibung und Datierung, in: Vergilius Sangallensis. Die spätantiken Vergil-Fragmente der Stiftsbibliothek St. Gallen, hg. von der Stiftsbibliothek St. Gallen, Luzern 2022, S. 17–22.
  • Richard Seider, Beiträge zur Geschichte und Paläographie der antiken Vergilhandschriften, in: Studien zum antiken Epos, hg. von Herwig Görgemans und Ernst A. Schmidt, Meisenheim am Glan 1976 (Beiträge zur klassischen Philologie 72), S. 129–172.
Faksimile
  • Vergilius Sangallensis. Die spätantiken Vergil-Fragmente der Stiftsbibliothek St. Gallen, hg. von der Stiftsbibliothek St. Gallen, Luzern 2022.
Editionen
  • P. Vergilius Maronis opera, hg. von Mario Geymonat, Rom 1973.
  • P. Vergili Maronis opera, hg. von Roger A. B. Mynors, Oxford 1969.
  • P. Vergilius Maro, Aeneis, hg. von Gian Biagio Conte, Berlin 22019.
  • P. Vergilius Maro, Bucolica, hg. von Silvia Ottaviano, Georgica, hg. von Gian Biagio Conte, Berlin 2013.