Frauenfeld, Kantonsbibliothek Thurgau, Y 117
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Beschreibung von Marianne Luginbühl, Kantonsbibliothek Thurgau, Frauenfeld 2011.

Handschriftentitel: Heinrich Murer: Dominarum Monasterium Thuricense
Entstehungsort: Kartause Ittingen
Entstehungszeit: nach 1636
Beschreibstoff: Papier
Umfang: 18 Bll., davon 2 Faltblätter
Format: 310 x 200 mm
Lagenstruktur: V 10 + III 16 + 2 18
Seiteneinrichtung: 266 x 172 mm, einspaltig, 41-51 Linien
Spätere Ergänzungen: Handschriftliche Hinweise auf die Schweizerchronik von Heinrich Bullinger als Quelle der Geschichte der Pfarrkirche St. Peter auf Bl. 13r und auf Bullinger und die Schweizerchronik von Johannes Stumpf als Quelle für die Geschichte der Kapelle „Auf dem Hoff“ auf Bl. 13v. Beide von einer späteren Hand des ausgehenden 17. oder 18. Jh. Zwei handschriftliche Marginalien auf Bl. 13r und 14r von einer anderen Hand des 17. Jh.
Einband: Papier über Pappe, blaugrün gesprenkelt, 19. Jh.
Inhaltsangabe:
  • Bl. 1r Der angegebene Titel: Von Stiftung Auff vnd Zunemmen der furstlichen Abbtey zum Frauw Munster Sant Felicen vnd Regulam in Zurich. Was sich auch bey in der furstlichen Abbtissenen Regierung zeyten verloffen vnd zutragen
    Darunter:
    Blaukolorierte Federzeichnung mit den Zürcher Stadtpatronen Felix und Regula, die in ihren Händen ihre abgeschlagenen Köpfe tragen, die sie laut der Legende nach ihrer Enthauptung bis zu dem vorgesehenen Begräbnisplatz getragen haben sollen. Dazwischen das Lilienbanner der Könige von Frankreich, der Stifter des Fraumünsters.
  • Bl. 1v-4v Gründung des Klosters Fraumünster durch Ludwig den Deutschen und Vergabung von bedeutenden Gütern an dasselbe.
  • Bl. 4v-6r Die Töcher Ludwigs des Deutschen, Hildegard und Bertha werden die ersten Äbtissinnen des neu gegründeten Klosters.
  • Bl. 6r-11v Die Geschichte von 23 weiteren Äbtissinnen des Fraumünsters von Gisela bis Anastasia und bis ins Jahr 1438. Der Platz für die Wappen der Äbtissinnen wurde ausgespart, deren Zeichnung jedoch nicht ausgeführt.
  • Bl. 12r Der Titel >Von Erbauwung vnnd Herkommen Sant Peters Pfahrkirchen in Zurich< ohne weiteren Text.
  • Bl. 12v leer.
  • Bl. 13r Der angegebene Titel: Von Erbauwung vnnd Herkomen Sant Peters Pfarkirchen zu Zurich
    Darunter: Geschichte der Pfarrkirche St. Peter seit der Schenkung ihrer Vorgängerkapelle im Jahre 857 durch Ludwig den Deutschen an den Priester Berthold, Kaplan der ersten Äbtissin des Fraumünsters Hildegard, bis zur Entstehung der Pfarrkirche St. Peter.
  • Bl. 13v Der angegebene Titel: >Von der Capell auff dem Hoff zu Zurich<
    Darunter: Geschichte der Kapelle „Auf dem Hof“ in Zürich (gemeint ist die Kapelle auf dem Lindenhof in Zürich, die nach Bullinger um 1271 oder bereits um 1250 zusammen mit dem dortigen Schloss abgerissen wurde).
  • Bl. 14r-v Der angegebene Titel: Von der Wasser Kirchen zu Zurich Wie sey ehrbauwen. Auch wider ehrneuwerd worden
    Darunter: Geschichte der Wasserkirche von ihrer Erbauung im Jahre 809 bis im Jahre 1525.
  • Bl. 15 Faltblatt, Ansicht des Grossmünsters, kolorierte Federzeichnung vom Zürcher Kupferstecher und Maler Rudolf Meyer (1605-1638), aus dem Jahr 1636, mit Signatur.
  • Bl. 16 Faltblatt, Ansicht des Fraumünsters und der Wasserkirche, vom diesseitigen Limmatufer, kolorierte Federzeichnung, wohl ebenfalls von Rudolf Meyer.
  • Bl. 17 Ansicht des Fraumünsters vom jenseitigen Limmatufer, koloriere Federzeichnung, vermutlich ebenfalls von Rudolf Meyer.
  • Bl. 18 Ansicht des Fraumünsters und des Kornhauses, vom jenseitigen Limmatufer aus gesehen, kolorierte Federzeichnung, vermutlich ebenfalls von Rudolf Meyer.
Entstehung der Handschrift:
    Bemerkungen zu Autor und Werk:
  • Der Verfasser der Handschrift, Heinrich Murer, eigentlich Johann Heinrich, wurde am 2. März 1588 in Baden (Kanton Aargau) geboren. Er stammte aus einer Badener Familie. Seine Mutter, Salome Bodmer von Baden, heiratete in zweiter Ehe 1592 den Ritter, Alt-Schultheissen und Bannerherrn Ludwig Pfyffer von Altishofen aus Luzern, der indessen schon 1594 starb. Murer wuchs in Luzern auf. Er wird überall als „civis Lucernensis“ erwähnt und bezeichnet sich selbst in seinen Büchern so, ist aber im Luzerner Bürgerbuch nicht erwähnt. Murer besuchte zuerst die Jesuitenschule in Pruntrut, wohl um die französische Sprache zu erlernen. Nach Abschluss der Schule studierte er Philosophie in Paris. Hier kam es offenbar auch zu ersten Kontakten mit dem Kartäuserorden. Die Ermordung des französischen Königs Heinrich IV. veranlasste ihn zur Rückkehr in die Schweiz. 1611, noch in Luzern, begann er, ein Verzeichnis der Schweizer Heiligen anzulegen. 1614 trat er in den Kartäuserkonvent Ittingen ein, wo er am 28. Februar 1638 starb.
  • Die Chronik des Fraumünsters Zürich ist nur eine von rund zwanzig anderen Chroniken von Klöstern, Abteien und Bistümern, die Murer während seiner Ittinger Zeit (1614-1638) verfasst hat, und die in der Kantonsbibliothek Thurgau aufbewahrt werden. Sie waren alle gedacht als Vorarbeiten zu einem umfassenden Werk, das eine Geschichte und Beschreibung aller Bistümer, Stifte und Klöster enthalten und den Namen „Theatrum Ecclesiasticum Helvetiorum“ („geistlicher Schauplatz Helvetiens“) tragen sollte. Murers früher Tod im Jahre 1638 machte dieses Vorhaben zunichte. Alle Chroniken sind ähnlich aufgebaut: Sie zeigen auf dem Titelblatt die Schutzheiligen der betreffenden Klöster, zum Teil mit deren Attributen. Ein Faltblatt im Inneren der Handschrift enthält eine Ansicht der verschiedenen Gebäulichkeiten der jeweiligen Klöster. Dazwischen steht in Murers kleiner, zierlicher Schrift die Legende zu den einzelnen Bauten.
Provenienz der Handschrift: Die Handschriften, die für das „Theatrum Ecclesiasticum Helvetiorum“, Murers Chronik aller Klöster, Bistümer und Stifte der Schweiz, vorgesehen waren, sind alle in der Kartause Ittingen entstanden. Dies gilt auch für die vorliegende Handschrift Murers mit der Chronik des des Fraumünsters in Zürich. Vermutlich ist sie erst nach der Aufhebung der thurgauischen Klöster im Jahre 1848ff. in die Kantonsbibliothek Thurgau gelangt, wo sie wahrscheinlich auch gebunden wurde.
Bibliographie:
  • Meyer von Knonau, Gerold: Heinrich Murer, in: ADB 23 (1886), S. 60.
  • Meier, Gabriel: Der Karthäuser Heinrich Murer und seine Schriften / Gabriel Meier. Stans 1900 (SA: Der Geschichtsfreund ; Bd. 55, S. 3-38).