Die Burgerbibliothek Bern ist ein Kulturinstitut der Burgergemeinde Bern. Sie entstand 1951, als man die Handschriftenabteilung der damaligen Stadt- und Hochschulbibliothek verselbständigte. Heute ist die Burgerbibliothek Bern ein öffentliches wissenschaftliches Archiv. Sie sammelt und bewahrt wertvolle und international bedeutende Bestände an Manuskripten, Archivalien und Bilddokumenten. Zu den bekanntesten Sammlungen zählen die mittelalterlichen Bongarsiana/Codices und die Archivalien zur Schweizer und Berner Geschichte mit Nachlässen bedeutender Persönlichkeiten. Die Burgerbibliothek ist auch das Gemeindearchiv der Burgergemeinde Bern und der burgerlichen Gesellschaften und Zünfte. Als wissenschaftliches Institut steht sie im Dienste der Forschung und einer interessierten Öffentlichkeit. Sie stellt ihre Bestände in einem Lesesaal zur Verfügung und zeigt sie im Rahmen von Publikationen, Führungen und Ausstellungen.
Bern, Burgerbibliothek, Cod. 98
Pergament · 156 ff. · 35 x 26–26.5 cm · Frankreich: Lothringen (Metz) · Anfang bis Mitte 14. Jahrhundert
Sammelband: Chronique dite de Baudouin d'Avesnes; Brunetto Latini: Livre du Trésor (Auszüge); Enseignements moraux et religieux; Plainte de la Vierge; Table de la foi catholique; Pardons du pèlerinage à Rome
In mehreren Etappen entstandene Handschrift: die ersten zwei Drittel aus der ersten Dekade des 14. Jh. umfassen ein Bruchstück der Baudouin d'Avesnes zugeschriebenen Weltchronik, deren Illuminationen sich einem Maler aus dem Kreis um Renaud de Bar in Metz zuordnen lassen; das letzte Drittel besteht aus verschiedenen, bis in die Mitte des 14. Jh. entstandenen devoten Texten eines bislang noch kaum untersuchten Corpus. Zahlreiche dieser Texte finden sich in weiteren, heute in Bern, Paris und Metz befindlichen Handschriften, die sich dem späteren Coelestinerkloster in Metz zuordnen lassen. Der um 1570 noch in Metzer Privatbesitz befindliche Band gelangte über Jacques Bongars 1632 nach Bern.
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Pergament · 13 ff. · 28.5–29 x 17.5–18.5 cm · Frankreich: wohl Fleury oder Micy · 1. Drittel 9. Jahrhundert
Physiologus latinus (versio B)
Der Physiologus ist eine frühchristliche Sammlung naturkundlich-allegorischer Beschreibungen, aus der die mittelalterlichen Bestiarien entstanden sind. Zwar enthält Cod. 233 – im Gegensatz zum berühmten Cod. 318 – nur den Physiologus ohne Illustrationen, er ist jedoch der älteste Vertreter der wichtigen lateinischen Textrezension B. Weitere Teile des ehemaligen Sammelbandes finden sich in der Bibliothèque municipale von Orléans und in der Burgerbibliothek Bern. Der Band gelangte 1632 aus dem Besitz von Jacques Bongars nach Bern.
(mit)
Pergament · 130 ff. · 27–27.5 x 16.5–17 cm · Frankreich: Metz · 1. und 2. Drittel 9. Jahrhundert
Sammelbd.: Chrodegangus Metensis: Regula Canonicorum; Isidorus: De viris illustribus; Theodulfus Aurelianensis: Capitularium primum; Martinus Bracarensis: Dicta ad Polemium episcopum, etc.; Martyrologium Hieronymianum
In drei Schichten vom Ende des 8. Jahrhunderts bis nach der Mitte des 9. Jahrhunderts entstandene Sammelhandschrift, die vermutlich in St. Avold bei Metz für eine Kapelle des Domkapitels hergestellt wurde. Im ersten Teil sind verschiedene für die vor- und frühkarolingische Zeit in Metz wichtige Texte versammelt, darunter die ursprüngliche Fassung von Chrodegangs Regula Canonicorum, verschiedene Homilien sowie eine Fassung der Capitularia Theodulfs von Orléans; der zweite, bekanntere Teil (ab f. 52) enthält einen der ältesten Textzeugen für das Martyrologium Hieronymianum. Der Band gelangte 1632 aus dem Besitz von Jacques Bongars nach Bern.
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Papier · 210 pp. · 28.5 x 20.5 cm · Schweiz: Bern (Erlach?) · Um 1466–1473
Ulrich Boner: Edelstein
Um 1349/50 entstandene Fabelsammlung des Dominikaners Ulrich Boner in deutscher Sprache, dem Berner Patrizier Johann von Ringgenberg gewidmet. Die wichtigsten Vertreter der vollständigsten Bestandsklasse sind Basel, Universitätsbibliothek AN III 17 sowie die mutmassliche Abschrift Bern, Burgerbibliothek Mss.h.h.X.49, deren Illustrationen allerdings weit weniger hochstehend sind. Die Handschrift, welcher die ersten 2 Lagen fehlen, wurde vermutlich von Hemon Egli, Vogt zu Erlach, oder von einer Person aus seinem Umfeld geschrieben; über seinen Enkel Jakob von Bollingen gelangte sie später in die Familienbibliothek von Erlach im Schloss Spiez. 1875 wurde sie von Friedrich Bürki aus dem Nachlass gekauft und der Berner Stadtbibliothek geschenkt.
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Pergament · 209 ff. · 46 x 35 cm · Tours, Kloster St. Martin · um 820-830
Biblia latina (Vulgata), Teil 1: Genesis bis Psalmen
Als Pandekt (d.h. in einem Band) konzipierte lateinische Bibel nach der Rezension des Alkuin von York. Von diesen im Skriptorium St. Martin von Tours manufakturmässig hergestellten Alkuin-Bibeln haben sich verschiedene Exemplare erhalten, die mit ihrer fein abgestuften Schrifthierarchie und den harmonischen Proportionen als Monumente der karolingischen Buchherstellung gelten.
(mit)
Pergament · 155 ff. · 46-46.5 x 35.5-36 cm · Tours, Kloster St. Martin · um 820-830
Biblia latina (Vulgata), Teil 2: Salomon bis Apokalypse (unvollständig)
Als Pandekt (d.h. in einem Band) konzipierte lateinische Bibel nach der Rezension des Alkuin von York. Von diesen im Skriptorium St. Martin von Tours manufakturmässig hergestellten Alkuin-Bibeln haben sich verschiedene Exemplare erhalten, die mit ihrer fein abgestuften Schrifthierarchie und den harmonischen Proportionen als Monumente der karolingischen Buchherstellung gelten.
(mit)
Pergament · 24 ff. · 42 x 34.5 cm · Mittel- oder Südfrankreich · Anfang des 11. Jahrhunderts
Hrabanus Maurus, Liber de Laudibus Sanctae Crucis
Das aus Carmina Figurata zusammengesetzte Gedicht zum Lob des Heiligen Kreuzes des Fuldaer Abtes Hrabanus Maurus, dessen vorliegende Fassung vermutlich 831 entstanden ist, füllt jeweils die linke Seite (erhalten sind 23 der 28 Figuren), während rechts die sich anschliessende Prosaübertragung steht; der zweite ebenfalls in Prosa abgefasste Teil fehlt.
(mit)
Pergament · 331 ff. · 38.5 x 26.5 cm · Frankreich (Südfrankreich?) · zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts
Bible du XIIIème siècle (Teil 1: Genesis – Psalmen)
Die altfranzösische Bible du XIIIème siècle wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jh. in Paris zusammengestellt. Die in der Bugerbibliothek Bern aufbewahrten zwei Teile (Cod. 27/28) zählen zu den ältesten erhaltenen Exemplaren; sie sind unabhängig voneinander wohl in Südfrankreich entstanden. Cod. 27 ist teilweise glossiert; er enthielt einmal 31 erstklassige Miniaturen, von denen heute zwanzig verloren sind.
(mit)
Pergament · 356 ff. · 35 x 25.5 cm · Frankreich · zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts
Bible du XIIIème siècle (Teil 2: Salomo – Apokalypse)
Die altfranzösische Bible du XIIIème siècle wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jh. in Paris zusammengestellt. Die in der Bugerbibliothek Bern aufbewahrten zwei Teile (Cod. 27/28) zählen zu den ältesten erhaltenen Exemplaren; sie sind unabhängig voneinander wohl in Südfrankreich entstanden. Cod. 28, dessen Spuren im 14. Jh. nach Valencia weisen, enthielt einmal 52 erstklassige Miniaturen, von denen heute sechs verloren sind.
(mit)
Pergament · I + 60 ff. · 36–36.5 x 25.5 cm · 2. Drittel 9. Jh.
Lucanus: De bello civili; Dracontius: Orestes; Hyginus: De astronomia; Figurae Graecorum
Die Handschrift ist in Fleury entstanden. Die erste Seite enthält eine prächtige Ausstattung mit zwei grossen Flechtwerkinitialen, die eine besondere Gattung insularer Zierkunst vertreten. Der Sammelband enthält nebst kleineren Stücken das epische Gedicht De bello civili (Parsalia) des Lucanus (Mitte 1. Jh.) sowie eine Version der Orestessage des afrikanischen Dichters Dracontius (5. Jh.). Für letztere stellt der Codex den weitaus ältesten Textzeugen dar. Der Lucantext ist anfangs reich mit Scholien versehen, die aufgrund von Cod. 370, einer reinen Scholienhandschrift, als Commenta Bernensia bekannt sind.
(mit)
Pergament · 147 ff. · 27–27.5 x 18 cm · Bretagne · zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts
Biblia Latina (Vulgata): Evangelia
Handschrift aus der Bretagne, mit Texten der vier Evangelien sowie der Prologe und Kapitelverzeichnisse zu Markus, Lukas und Johannes. Die künstlerische Ausstattung umfasst die 12 Seiten der Kanontafeln, die Bilder der in priesterlichem Ornat gekleideten Evangelisten sowie Initialen jeweils zu Beginn der Capitula und der Evangelien. Die reiche Flechtbandornamentik weist auf insulare Einflüsse hin.
(mit)
Pergament · 18 ff. · 35.5–37 x 28.5 cm · Luxeuil · 1004
(Pseudo-)Boethius: Geometria; Excerpta Agrimensorum Romanorum
Die aus Luxeuil stammende Handschrift beinhaltet die irrtümlich dem Boethius zugeschriebene Geometrie sowie geometrische und gromatische Exzerpte aus Cassiodor, Isidor und den Agrimensoren. Sie bildetete vermutlich zusammen mit den Aratea (Cod. 88) einen Codex und wurde von Bischof Werner I. dem Strassburger Münster geschenkt.
(mit)
Pergament · 11 ff. · 37 x 28.5 cm · St. Bertin · Anfang des 11. Jahrhunderts
Aratus – Germanicus: Phaenomena
Die von Germanicus ins Lateinische übertragenen Aratea beschreiben die 48 antiken Sternbilder und ihre Entstehungssagen. Sie zählen zu den beliebtesten Bilderzyklen mittelalterlicher Klosterschulen. Der in St. Bertin entstandene Bernensis ist eine Enkelhandschrift des Leidener Aratus und enthält nur hier überlieferte Scholien.
(mit)
Pergament · 2 + 291 ff. · 34.5-35 x 24.5-25 cm · Nord-Ostfrankreich · Ende des 13. Jahrhunderts
Sammelbd.: Geste des Loherains, Perceval, Chroniques, Parthenopeus de Blois, Durmart le Gaulois etc., franz.
Der Sammelband enthält insgesamt 21, zum Teil unikal überlieferte Stücke aus der altfranzösischen Literatur. Den grössten Teil nehmen die oft mehrere Tausend Verse umfassenden Romane aus den grossen Sagenzyklen wie die Geste des Loherains, Perceval etc. ein; dann finden sich aber auch einige in Prosa abgefasste Chroniken wie Ernouls Kreuzzugsgeschichte sowie weitere kleinere Stücke verschiedenen Inhalts. Die Handschrift ist reich ausgestattet mit mehreren Hundert grossen Initialen und stammt wahrscheinlich aus der Picardie.
(mit)
Pergament · 93 ff. · 34.5 x 21 cm · ca. 1039 – ca. 1056
Sammelband: Ado Viennensis: Chronicon; Aurelius Victor (Pseudo-): Epitome de Caesaribus; Abbo Floriacensis: De gestis Romanorum pontificum, lat.
Der Sammelband enthält verschiedene, z.T. seltene chronikalische Texte zu weltlichen und kirchlichen Herrschern. Es handelt sich um eine stark redigierte und korrigierte Handschrift aus der Benediktinerabtei von Saint Mesmin de Micy, welche charakteristische Schriften in verschiedenen schwarzen und braunen Tinten aufweist und mit vielen kalligraphischen Initialen in differierenden Stilgruppen reich ausgestattet ist. Aufgrund verschiedener Nachträge lässt sich die Abfassungszeit relativ genau in die Mitte des 11. Jahrhunderts bestimmen.
(mit)
Pergament · 55 ff. · 34.5 x 21 cm · ca. 1195 – ca. 1197
Petrus de Ebulo: Liber ad honorem Augusti, lat.
Der sogenannte Liber ad honorem Augusti des Petrus de Ebulo ist eine der berühmtesten und meistgefragten Handschriften der Burgerbibliothek Bern. Die aussergewöhnlich reich bebilderte Handschrift stammt aus einer Werkstatt im Umkreis des kaiserlichen Hofes in Süditalien. Schreiber und Zeichner sind unbekannt; zweifellos wurde der Text jedoch vom Autor selbst korrigiert. Der Text, ein nur in dieser Handschrift überliefertes lateinisches Versepos von rund 1700 Distichen, ist in drei Bücher eingeteilt. Die beiden ersten Bücher beschreiben die Vorgeschichte und Eroberung Siziliens durch die Staufer; das dritte Buch beinhaltet ein Lobgedicht auf die Eltern – Kaiser Heinrich VI. und dessen Gemahlin Konstanze, Tochter und Erbin König Rogers II. von Sizilien – des berühmten Hohenstaufenkaisers Friedrich II., welcher am 26. Dezember 1194 in Jesi bei Ancona zur Welt kam.
(mit)
Pergament · 287 ff. · 32.5 x 23.5 cm · erste Hälfte des 15. Jahrhunderts
Marco Polo: Devisement du monde; Jean de Mandeville: Voyages; Jean le Long d'Ypres: Récits de voyages
Aus drei Teilen bestehende Sammelhandschrift, welche französische Übersetzungen der klassischen Reiseberichte aus dem Fernen Osten zusammenstellt. Die Handschrift ist, besonders im ersten und dritten Teil, reich ausgestattet mit Goldverzierungen und feiner Randrankenornamentik; sie enthält jedoch keine Illustrationen. Über eingemalte Wappen lässt sich die Familie de Pons de Saint-Maurice aus dem Périgord als Vorbesitzer ermitteln; später wurde der Codex von Jacques Bongars erworben, der am Ende seines Lebens einen Band mit Quellentexten zu Asienreisen vorbereitete.
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Pergament · 104 ff. · 31.5 x 22 cm · Frankreich, Normandie, Saint-Trinité de Fécamp · Mitte des 11. Jahrhunderts
Augustinus: Opera
In der Benediktinerabtei St. Trinité de Fécamp entstandene Handschrift mit verschiedenen Werken des Augustinus: De opere monachorum; De fide et operibus; Contra Donatistas; De bono virginitatis; De bono conjugali; De bono viduitatis; De symbolo bono (sermo 215); De oratione dominica (sermo 56). Die Handschrift ist bedeutend als wichtiger Zeuge für die französische Buchillumination des 11. Jahrhunderts sowie, aufgrund ihre Geschichte, für den Austausch von Handschriften unter den normannischen Klöstern.
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Prächtige Gesamtausgabe der Werke Vergils (Bucolica, Georgica, Aeneis), die vom Leviten Berno dem Benediktinerkloster Saint-Martin in Tours geschenkt wurde (Eintrag und Bücherfluch auf f. 1v). Der Vergiltext ist mit zahlreichen spätantiken Kommentaren (Scholien) des Servius und des Donatus durchsetzt, die in dieser Form fast ausschliesslich in Bongarsiana-Handschriften überliefert sind. Cod. 165 bietet allerdings nicht die reinen Scholia Bernensia wie Cod. 167 und Cod. 172, sondern eine offenbar in Tours angefertigte Zusammenstellung verschiedener Scholiasten – deshalb der Name Scholia Turonensia.
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In Zusammenhang mit Auxerre stehende Gesamtausgabe der Werke Vergils (Bucolica, Georgica, Aeneis). Die Handschrift enthält zu Beginn zahlreiche Paratexte zu Vergil, wie die Viten, Argumenta etc.; ab f. 6v ist die innere Spalte jeweils für den Text, die äussere für die Scholien reserviert. Der Vergiltext ist mit zahlreichen spätantiken Kommentaren (Scholien) des Servius und des Donatus durchsetzt, die in dieser Form fast ausschliesslich in Bongarsiana-Handschriften überliefert sind. Cod. 167 bietet die reinen Scholia Bernensia, allerdings nur die linke, nicht aber die rechte Kolumne von Cod. 172; ob er von letzterem kopiert wurde, ist umstritten.
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