
| Land | Ort, Bibliothek | Handschriften |
|---|---|---|
| USA | Cleveland, The Cleveland Museum of Art | 1 |
Anzahl Handschriften: 7
Trogen, Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, CM Ms. 4
Pergament · 202 ff. · 17.5 x 12.5 cm · Paris · Anfang des 15. Jahrhunderts
Die Konzeption der Handschrift entspricht in Text und Ausstattung der Pariser Horae-Tradition des beginnenden 15. Jahrhunderts («Boucicaut-Meister»). Die ranghöchsten Gliederungselemente des Buchschmuckes sind die sieben Zierseiten mit Miniaturen; mehrzeilige farbige Initialen markieren sekundäre Textabschnitte. Das hochrechteckige Bildfeld dieser Zierseiten mit einer figürlichen Szene wird auf drei Seiten von je einem Stab umschlossen, aus dem sich dekorative Ranken mit goldenen, roten und blauen Dornblättern entwickeln, welche die breiten Pergamentränder vollständig ausfüllen. Vier Zeilen Text, eingeleitet von einer grösseren farbigen Initiale, sind zwischen das Bildfeld und den unteren Zierstab eingeschoben. Jeweils die Anfänge der verschiedenen Offizien sind mit solchen Zierseiten ausgestattet. Das Stundenbuch ist nicht nur das älteste der Sammlung Carl Meyer in der Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, es ist zugleich eines der besten und wertvollsten Stücke. Die Auftraggeberschaft ist nicht bekannt.
Trogen, Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, CM Ms. 5
Pergament · 191 ff. · 15 x 11 cm · Frankreich · 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts
Der laikale Auftraggeber des Stundenbuchs ist namentlich unbekannt, hat aber deutliche individuelle Spuren hinterlassen: Auf f. 11r liess er sich auf einer ganzseitigen Miniatur kniend darstellen, begleitet von einem Wappen. Ein solcherart prominentes Stifterbild zeugt von beträchtlichen Ambitionen des Auftraggebers, der möglicherweise aus dem Bürgertum stammte. Das Bild ist zudem von einem talentierteren Künstler gemalt als die übrigen Miniaturen in der Handschrift, die holzschnittartiger ausgeführt sind. Das Stundenbuch könnte für den Gebrauch im östlichen Frankreich konzipiert worden sein. Stilistisch handelt es sich um ein Werk von provinziellem Charakter.
Trogen, Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, CM Ms. 6
Pergament · 212 ff. · 18.5 x 13 cm · Nordfrankreich (Paris?) · Mitte des 15. Jahrhunderts
Das Stundenbuch ist nach dem liturgischen Gebrauch der Pariser Horae gestaltet. Es zeichnet sich im Unterschied dazu durch ein reicheres, jedoch qualitativ geringeres Bildprogramm aus: Die Evangelienperikopen sind jeweils mit einem Autorenporträt ausgestattet, das Marienoffizium mit einem vollständigen Zyklus zur Kindheit Jesu. Die Rezeption der Vorlagen der bekannten Pariser Buchmaler über verschiedene Zwischenstufen zeigen viele Missverständnisse oder eigenwillige Umgestaltungen. In ihrer Flächigkeit, der kühnen Zusammenstellung von Farben und den extremen perspektivischen Verkürzungen präsentieren sich die Bilder aber aus einer heutigen Sicht, die an den ästhetischen Normen der Moderne geschult ist, als expressiv und originell. Die Auftraggeberschaft ist unbekannt.
Trogen, Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, CM Ms. 7
Pergament · 108 ff. · 18 x 13 cm · Lille · um 1500
Die Herkunft aus dem nordfranzösisch-flämischen Grenzbereich ergibt sich aus dem liturgischen Befund, dem Ledereinband der Handschrift mit Plattenstempeln und der Inschrift «Robiers Plovrins» sowie aus einem Vergleich mit stilistisch verwandten Handschriften. In Claremont bei Berkeley (USA) ist ein weiteres Stundenbuch erhalten geblieben, das vom gleichen Künstler illuminiert wurde. Dieser imitiert, in etwas kruder Manier, den um 1500 in Lille sehr beliebten Stil des Schreibers und Buchmalers Jean Markant. Die Auftraggeberschaft ist unbekannt.
Trogen, Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, CM Ms. 8
Pergament · 104 ff. · 14 x 7 cm · Paris · 2. Viertel des 16. Jahrhunderts
Das Stundenbuch im schmalen, hohen Format ist ein wirkliches Taschenbuch, in der Rahmengestaltung der Miniaturen mit architektonischem Sockel, bekrönenden Voluten, Putti und Girlanden lässt sich deutlicher Renaissance-Einfluss ausmachen. 16 ganzseitige und 21 kleine, von anderer Hand einfacher ausgemalte Miniaturen bebildern das Buch. Eine ganzseitige Darstellung zeigt das Wappen des Auftraggebers: Es handelt sich um Michel de Champrond (gest. am 1. August 1539), Herr von Ollé, Ratgeber und Zahlmeister des Königs. Damit wird eine durchaus wohlhabende, aber nicht adlige Persönlichkeit aus dem Umkreis des Königshofes fassbar, die sich wohl in den 1530er-Jahren, als schon gedruckte Stundenbücher verbreitet waren, bei einer Werkstatt mittleren Niveaus ein reich ausgemaltes und partiell individuellen Wünschen angepasstes Gebetbuch herstellen liess.
Trogen, Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, CM Ms. 9
Pergament · 31 ff. · 20.5 x 16 cm · Flandern · 2. Viertel des 16. Jahrhunderts
Der rezeptionsgeschichtlich außergewöhnliche Textträger enthält drei Pasticci aus ausgeschnittenen Deckfarbeninitialen und zwölf flämische Miniaturen aus dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts, die im 19. Jahrhundert auf neuzeitliche Pergamentblätter aufgeklebt und gerahmt worden sind, sodass sich die einzelnen Bildseiten heute wie Gemälde in einem Passe-Partout präsentieren. Die Miniaturen sind einem Gebetbuch aus dem persönlichen Besitz der Anna von Kleve (1515-1557) entnommen.
Trogen, Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, CM Ms. 13
Papier · 107 ff. · 30 x 21 cm · um 1530-1540
Papierhandschrift mit der Darstellung moralischen und sozialen Fehlverhaltens anhand von Bildern aus der biblischen, antiken und mittelalterlichen Geschichte sowie aus zeitgenössischen Werken über Sitten und Gebräuche. Im unteren Drittel der Seite sind in Reimsprüchen jeweils die entsprechenden christlichen Tugenden in Erinnerung gerufen.